Der Bürgerrat Bildung und Lernen diskutierte und veröffentlichte Empfehlungen an die Politik, wie das Bildungssystem in Deutschland verbessert und Chancengerechtigkeit gefördert werden können. Dabei haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verschiedene Bereiche in den Blick genommen, von frühkindlicher Bildung über schulische Bildung bis zur beruflichen Bildung. Hier ein Blick speziell auf das, was sich Kinder und Jugendliche vorstellen.
So stellt der Bürgerrat sich selbst vor:
Wir sind rund 700 zufällig ausgewählte Bürger*innen und bilden einen Querschnitt der Bevölkerung Deutschlands.
Unter uns sind auch Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren.
Wir treffen uns seit 2021 an unterschiedlichen Orten oder online zu Diskussionen über Bildung und Lernen.
Wir diskutieren in Kleingruppen und in der Großgruppe über Frühkindliche Bildung, Allgemeinbildende Schulen und Berufliche Bildung.
Wir erarbeiten Empfehlungen für Politik und Praxis.
Wir sind dabei ergebnisoffen.
Wir stellen unsere Empfehlungen politischen Entscheidungsträger*innen auf kommunaler, Landes- und Bundesebene vor.
Wir machen Aktionen in und für Bildungseinrichtungen.
Wir wurden ins Leben gerufen von der unabhängigen und gemeinnützigen Montag Stiftung Denkwerkstatt.
Hört uns zu!
Empfehlungen von Kindern & Jugendlichen
Was sagen eigentlich diejenigen Menschen, die wir zum Schulbesuch verpflichten und täglich mit zu lernendem Wissen konfrontieren? Ich zitiere hier die Empfehlungen/Erwartungen/Forderungen und kommentiere das eine oder andere.

Wir wollen mehr mitentscheiden, wie und was wir lernen
Respekt als Basis von allem:
● Es geht um uns und deshalb wollen wir mitreden.
● Erwachsene sollen uns ernst nehmen. Das hat auch etwas mit Respekt zu tun.
● Wir haben ein Recht auf Mitbestimmung, wenn es um Dinge geht, die uns betreffen.
Darum ist uns das wichtig:
● Wir wissen, was gut für uns ist.
● Unsere Meinung zählt.
● Wir wollen etwas verändern.
● Wir wollen gemeinsam Lösungen finden.
Kommentar
In der Tat sagt unsere tägliche Praxis: „Nur wir Erwachsenen wissen, was gut für euch ist.“
Wir Erwachsenen machen die Lehrpläne und entscheiden über die zu lernenden Inhalte. Wir Erwachsenen teilen die Lehrkräfte zu und entscheiden, wer dich bildet. Wir Erwachsenen organisieren die Stundenpläne und entscheiden wieviel Mathe oder Bio oder Kunst oder Sport du wann haben darfst. Wir Erwachsenen bereiten die Unterrichtsstunden vor und setzen dir ein Lernziel. Wir Erwachsenen entscheiden, ob du es erreicht hast und wir Erwachsenen bewerten jede deiner Leistungen!
Das alles bringt entweder ein überwältigendes Misstrauen gegen die Selbststeuerungsfähigkeiten unserer Schüler:innen zum Ausdruck oder eine unterirdische Einschätzung ihrer Reife oder den massiven Unwillen, gewohnte Strukturen zu hinterfragen. Dass die Kinder & Jugendlichen „ja hinlänglich bewiesen hätten, dass sie es nicht können“ – ein beliebtes Argument – hat ganz sicher auch mit selbsterfüllenden Profezeiungen zu tun, die gut erforscht sind; siehe die entsprechenden Ausführungen auch von John Hattie.
Gleiche Chancen durch finanzielle Unterstützung
Schüler*innen aus ärmeren Familien finanziell unterstützen:
● Ärmere Familien werden unterstützt und so können alle eine gute Bildung in der Schule bekommen.
● Sie bekommen Gelder für Schulhefte, Schultaschen, Stifte und Klassenfahrten. Sie bekommen auch Rabatte für das Essen oder kostenloses Essen.
● Stipendien mit Mentoring als Begleitung anbieten.
Darum ist uns das wichtig:
● Gute Bildung muss unabhängig vom Geldbeutel der Familie sein.
● Schule ist nicht kostenlos, Schulmaterialien kosten.
● Alle Kinder sollten die Chance auf gute Bildung haben, um später einen guten Beruf zu bekommen und gutes Geld verdienen zu können.
Kommentar
Mit dem fatalen Zusammenhang von Armut und Bildung befasst sich unter anderem die Hans-Böckler-Stiftung.
Kleinere Klassen
Weniger Schülerinnen in einer Klasse
● 15 bis 25 Schülerinnen pro Klasse oder Gruppe sind genug. (Aber Achtung: bestehende Klassen mit mehr als 25 Schülerinnen nicht trennen)
● Eine Voraussetzung dafür ist, dass dafür Räume und ausreichend Lehrkräfte vorhanden sind.
Darum ist uns das wichtig:
● Wir können uns besser konzentrieren und besser lernen.
● Wir können besser gefördert werden. Vor allem auch die von uns, die es schwerer haben zu lernen.
● Bei kleineren Klassen sind die Lehrerinnen weniger gestresst. Dadurch wird der Lehrerinnenberuf attraktiver.
Kommentar
Die Kinder & Jugendlichen im Bürgerrat hängen konzeptionell – wie sollte es auch anders sein? – an den Strukturen, in denen sie unterrichtet werden; in diesem Fall an den Jahrgangsklassen. Für diese eine Maximalgröße zu fordern, ist verständlich, wird aber natürlich von den Erwachsenen unter einen Finanzierungsvorbehalt gestellt. Die individuelle Förderung, die den Schüler:innen vor Augen schwebt, wird in anderen Settings viel besser gewährt. Dazu hilft ein Blick auf die Alemannenschule oder auf die PRIMUS-Schule in Münster.
Außerdem kommt es immer auf die Lehrer an: Gute Pädagog:innen können auch in größeren Klassen guten Unterricht machen. Schlechte Lehrer:innen können auch mit kleinen Gruppen wenig anfangen.
Und schließlich sei noch darauf hingewiesen, dass die fördernde Grundhaltung von Lehrerkräften, wie sie Schüler:innen sich wünschen, oft überlagert wird vom selektiven Denken Erwachsener.
Mehr Lehrerinnen in einer Klasse
Eine Lehrerin pro Klasse ist zu wenig
● Es soll zwei Lehrerinnen und/oder Lernbegleiterinnen in einer Klasse geben.
● Erzieherinnen, Sozialarbeiterinnen und auch Praktikantinnen können die Lehrerinnen als Aufsichtspersonen ergänzen, auch wenn sie nicht immer inhaltlich weiterhelfen können.
● Die Klasse kann nach Lernfortschritten aufgeteilt werden. Stärkere Schülerinnen können schwächere Schülerinnen unterstützen.
● Kleine Betreuungsgruppen machen den Lehramtsberuf attraktiver.
Darum ist uns das wichtig:
● Es gibt eine zweite Ansprechperson für die Schülerinnen.
● Es fällt weniger Unterricht aus, wenn eine Lehrkraft krank ist.
● Es entlastet die Lehrerinnen.
● Die Lehrkräfte können individuell und besser auf uns eingehen.
● Die Lehrerinnen können gemeinsam Noten vergeben und sich abstimmen.
● Praktikantinnen lernen Unterrichten bereits in der Praxis.
● Unterschiedliche Qualifikationen der Lehrpersonen nutzen den Schülerinnen.
Lernen fürs Leben
Themen zum „Lernen fürs Leben“ sollen in den Lehrplan, in Projektwochen oder falls notwendig, als neues Fach aufgenommen werden:
● Wir wollen wichtige Dinge für unser Leben lernen (z.B. Steuern, Miete, Umgang mit Geld, Kochen, Politik, Zusammenleben mit Menschen, Bewerbungen, Erziehung, Erste Hilfe, Glück, Kinderrechte, Gartenarbeit, Hauswirtschaft, Informationen über Themen wie Alkohol, Drogen usw.)
● Wir wollen lernen, wie wir selbstständig werden.
● Die Themen sollen im Unterricht regelmäßig aufgegriffen werden.
Darum ist uns das wichtig:
● Das Erwachsenenleben beginnt bereits kurz nach der Schule und wir müssen dann wissen, wie wir alleine wohnen, Steuern zahlen, usw.
● Wir kommen im Alltag nach der Schule besser klar und sind nicht planlos.
● Wir sammeln praktische Erfahrungen, bevor wir in richtige Lebenssituationen reinkommen.
● Wir wollen unsere Rechte kennenlernen.
● Wir wollen damit anderen zeigen, dass es wichtig ist zu lernen, im Leben unabhängig und selbstständig zu sein und viel über sich selbst zu lernen.
Kommentar
Die Kinder & Jugendlichen beschreiten mit dieser Forderung den gleichen Weg wie die Erwachsenen, zum Teil auch mit denselben Anliegen: Mehr Alltagspraxis (siehe weiter unten) oder mehr Digitalisierung in den Unterrichtsalltag zu bringen, wird mit der Einführung neuer Inhalte, neuer Praktika oder gleich neuer Fächer verbunden. Hier sollte doch eine Verständigung möglich sein.
Praxis und Theorie stärker verbinden

Themen praktisch erleben können:
● Lernen mit Erleben verbinden (z.B. Ausflüge im Biologieunterricht, Latein-Fahrten nach Rom, Englisch-Fahrten nach London, Zeichnen im Kunstunterricht)
● Learning by doing.
● Bildung praktischer gestalten.
● Berufspraktisches Lernen.
Darum ist uns das wichtig:
● Wenn wir erst praktisch arbeiten, verstehen wir die Theorie besser.
● Nicht erst die Theorie durchgehen, weil wir dadurch Zeit für die Praxis verlieren.
● Wir können praktische Erfahrungen sammeln und erkennen unsere Stärken und Schwächen.
● Theorie und Praxis greifen ineinander.
Individuelles Lernen

Selbstständiges Lernen individualisieren:
● Wir können so lernen, wie es uns am besten gefällt und uns aussuchen, wo, wie, mit wem und in welchem Tempo wir lernen möchten.
● Lernen ist über verschiedene Wege möglich (z.B. schriftlich, mit Videos, über Online-Plattformen, mit Lernspielen).
● Das Ausmaß des individuellen Lernens soll sich nach dem Alter und nach der Situation/Reife in der Klasse richten.
● Lehrer*innen müssen uns Raum lassen, damit wir selbst lernen können, aber sie müssen für Fragen zur Verfügung stehen.
● Kurse und AGs auch nach der offiziellen Schulzeit anbieten.
● Es gibt Zeitfenster im Stundenplan und passende Räume, in denen wir selbstständig lernen können (z.B. eigene Lernräume).
Darum ist uns das wichtig:
● Jeder Mensch ist anders. Wir alle haben eigene Lern- und Lebensweisen, die sich auch wieder ändern können, und wir lernen besser auf unsere eigene Art und Weise.
● Wir haben mehr Spaß und bessere Noten.
● Es hilft, um sich selbst zu reflektieren.
● Wir können uns selbst besser strukturieren.
● Wir können auf diese Weise lernen zu lernen.
● Wir bauen unsere eigenen Stärken aus.
● Für die Lehrkräfte ist es leichter und sie haben weniger Stress.
Kommentar
Individualisierung hat viele bunte Aspekte. Die Mitbestimmung für Kinder & Jugendliche beim Lernen könnte bereits mit solchen Kleinigkeiten beginnen: Sie entscheiden, auf welche Weise sie sich den „Stoff“ aneignen wollen, mit welchen Materialien und in welcher Sozialform. Noch etwas individueller wird das Ganze, wenn die Schüler:innen sich den Ort aussuchen können: am Arbeitsplatz, auf dem Teppich, in der Nische, auf dem Flur oder etwa gar in der Aula oder irgendwo auf dem Schulgelände. Dass dies auch in der Oberstufe funktionieren kann, haben Schulen wie zum Beispiel die Alemannenschule oder zahlreiche Montessorischulen schon ausreichend unter Beweis gestellt.
Das kann sogar noch weiter gehen, wenn man den Schüler:innen – durch ein digitales Lernmanagementsystem, derer es inzwischen mehrere gibt – die Möglichkeit gibt, über die Reihenfolge ihrer Lernschritte mitzubestimmen und ihre Ergebnisse auch selbst zu kontrollieren.
Man beachte also: Das von Kindern & Jugendlichen gewünschte Mehr an Mitbestimmung und das Mehr an Individualisierungen gehen Hand in Hand in Richtung auf das wichtige Bildungsziel des selbstgesteuerten Lernens.
Weniger Zeitdruck beim Lernen
Den Zeitdruck beim Lernen verringern:
● Wir haben mehr Zeit zwischen den Klassenarbeiten und Klausurphasen (mindestens vier Wochen) und regelmäßige Abstände zwischen den Klassenarbeiten und Klausuren.
● Der Lernstoff soll gleichmäßig verteilt und sinnvoll zugeordnet werden.
● Lehrkräfte stimmen sich miteinander ab, wann Tests/Prüfungen geschrieben werden.
● Wir wissen frühzeitig, wann Prüfungen geschrieben werden.
● Wir können selbst entscheiden, wann wir was bearbeiten und wann wir Tests schreiben.
● Es gibt Doppelstunden für alle Fächer und größere Themenblöcke.
Darum ist uns das wichtig:
● Wir können stressfreier und motivierter lernen und erledigen den Lernstoff besser.
● Wir müssen nicht alle Themen gleichzeitig lernen.
● Wir haben mehr Freizeit.
Kommentar
Zahlreiche bayerische Schüler:innen wollen nicht weniger leisten, aber sich nicht mit unnötigem Stress abfinden und haben deshalb eine Petition gegen das unangekündigte Abfragen und die Stegreifaufgaben an Gymnasien eingereicht. 56 000 Unterschriften und eine entspanntere Praxis an zahlreichen Schulen haben allerdings die konservative Mehrheit im Bildungsausschuss nicht dazu bewegen können, dieser Anregung zu folgen, weshalb die Schüler:innen jetzt erst recht loslegen. Nicht mal zu einem wissenschaftlich begleiteten Versuch haben sie sich hinreißen lassen. Weil… na ja, weil der bayerische Ministerpräsident und nicht unbedingt anerkannte Bildungsexperte Dr. M. Söder das halt schon lange vorher schon entschieden hatte. Machtwort gegen Mitbestimmung.
Freiwillige Hausaufgaben
Hausaufgaben sollen freiwillig sein:
● Wir können mit freiwilligen Hausaufgaben das Gelernte vertiefen.
● Wir können mit Lehrer*innen darüber entscheiden, ob und wie Hausaufgaben in die Benotung einfließen.
● Die Hausaufgaben sollen möglichst in der Schule erledigt werden können (z.B. in den Lernräumen).
Darum ist uns das wichtig:
● Stress und Zeitdruck können geringer werden.
● Leistungen können selbst eingeschätzt werden.
Kommentar
Hausaufgaben dienen oft nur der Beruhigung der Eltern: Sie sehen, dass das Kind was lernen muss (genauer: was arbeiten muss). Und sie gewinnen einen Einblick in das, was in der Schule gerade durchgenommen wird.
Dass Hausaufgaben im Normalfall soziale Schichten weiter auseinander treiben, hängt damit zusammen, dass Kinder aus bildungsnahen Familien dabei wesentlich mehr Unterstützung erfahren können als solche aus armen, migrantischen oder bildungsfernen Haushalten. Der Lernzuwachs und Bildungserfolg in der Schule hängt eben nicht nur an der Talentausstattung eines Kindes, sondern auch an seinem „kulturellen Kapital“. Dieses Konzept hat der Soziologe Pierre Bourdieu ausgearbeitet.
In der Hattiestudie wird – aus anderen Gründen – darauf hingewiesen, dass Hausaufgaben nicht per se hilfreich und auf jeden Fall kritisch zu hinterfragen sind.
Individuelle Beurteilung
In bestimmten Fächern wird die Mitarbeit bewertet:
● In den Fächern Kunst, Musik, Sport und Handwerken soll nicht nach Standards und Leistung, sondern nach der Mitarbeit und dem eigenen Können bewertet werden.
● Wir wollen danach bewertet werden, was wir auch wirklich leisten können. Das eigene Talent darf keine Rolle spielen.
● Individuelle Voraussetzungen berücksichtigen (z.B. Deutsch als Zweitsprache).
Darum ist uns das wichtig:
● Jeder hat verschiedene Stärken und Schwächen.
● Jeder hat eine Chance auf gute Noten.
● Wir werden für das, was wir geleistet haben, auch gelobt und wertgeschätzt.
● Es ist wichtig, dass jede Anstrengung positiv beurteilt wird, z.B. beim Sportunterricht.
Kommentar
Dass Noten problematisch sind, dazu gibt es eine ganze Forschungsliteratur. Lehrkräfte sind nachgewiesener Maßen nicht ausreichend objektiv, so dass sie dicke Jungs schlechter bewerten als schlanke und Jungs eventuell generell schlechter; derselben Arbeit schlechtere Noten geben, wenn drunter der Name „Murat“ steht, statt „Max“; eine soziale Schlagseite haben; dass Lehrkräfte ein und dieselbe Arbeit sehr unterschiedlich benoten; dass die Noten für den bayerischen Übertritt pseudogenau und daneben auch Ausfluss eines reichlich naiven Menschenbildes sind; dass sie trotz (oder wegen) dieser Unzulänglichkeiten Schüler:innen zum Verzweifeln bringen – das alles ist doch längst bekannt, bis in Fernsehsendungen hinein.
Aus Gründen der „Objektivität“ und Vergleichbarkeit und der allgemein verbindlichen Lernzielgleichheit ist es auch nicht möglich, individuell auf Einsatz, Engagement, Voraussetzungen und Anstrengung zu achten. Die Schüler:innen, die diese Forderungen formulieren, zeigen ein feines Gespür – auch als Ergebnis leidvoller Erfahrungen – dafür, dass hier etwas im Argen liegt.
Fächerwahl nach eigenem Interesse

Selbst entscheiden können, was wir lernen.
● Bestimmte Fächer (z.B. Kunst, Musik und Religion) als Wahlmöglichkeit anbieten und nicht als verpflichtende Fächer.
● Grundkenntnisse in jedem Fach sind wichtig.
● In einigen Fächern soll die Anzahl der Stunden nach Interesse variieren (Grund- und Erweiterungskurs).
Darum ist uns das wichtig:
● Wir können nach unseren eigenen Interessen lernen.
● Wir können in Fächern, die wir interessant finden, vertieft lernen.
● Wir bekommen Freiheiten, über Themen und Aufgaben zum Lernen nach unseren Interessen selbst zu entscheiden (anhand einer Auswahl).
Kommentar
Über Möglichkeiten der Individualisierung wurde weiter oben schon gesprochen.
Information und Aufklärung Berufswege
In allen Schulformen Projektwochen über alle Bildungswege durchführen:
● Schüler*innen aller Schulformen wissen über alle möglichen Bildungs- und Berufswege Bescheid.
● Auf dem Gymnasium auch über Ausbildungen und auf Realschulen über Studiengänge informieren, spätestens ab der 9. Klasse.
● In der letzten Klasse der Grundschule gibt es Projekttage zu den weiterführenden Schulen.
Darum ist uns das wichtig:
● Das Wissen über verschiedene Bildungs- und Berufswege ist für uns alle wichtig
● Wir wollen mitentscheiden, welche Schulform, welche Ausbildung oder welches Studium für uns am besten ist. In den höheren Klassen können wir uns selbst besser einschätzen.
● Wir lernen momentan in der Schule nicht so viel darüber.
Schöne Schule

Schule sollen so ausgestattet sein, dass wir uns wohlfühlen:
● Schule soll ein Ort zum Wohlfühlen sein – so wie Zuhause.
● Klassenräume ordentlicher und gemütlicher gestalten und sauber halten. Räume neu streichen und dekorieren (z.B. über einen Dekorationswettbewerb von uns).
● Räume gut ausstatten (z.B. mit Schreibmaterial, Uhr, Stundenplan, Pflanzen, Teppiche, vielen Bildern, Sofas).
● Bibliothek mit verschiedenen Büchern (z.B. Sachbücher, Romane, Fremdsprachenbücher) und Sitzmöglichkeiten einrichten. Die Bücher können wir auch ausleihen.
● Schulhöfe besser gestalten mit Sitz-, Sport- und Spielmöglichkeiten, z.B. Klettergerüst, Fußball-und Basketballfeld, Tischtennisplatte, Volleyballnetz, Wasserspielplatz, Rutsche, Schaukeln.
● (Grünes) Klassenzimmer draußen einrichten.
● Bessere und saubere Toiletten mit Hygieneprodukten.
● Schulshop einrichten. Kaltgetränke sind im Unterricht erlaubt.
● Funktionierende Technik, z.B. WLAN, Smartboards, Beamer.
● Barrierefreiheit in der Schule beachten.
Darum ist uns das wichtig:
● Wir brauchen eine kindgerechte Schule.
● Wir verbringen viel Zeit in der Schule und wollen uns dort wohlfühlen.
● Wir können motivierter und besser lernen und freuen uns mehr, in die Schule zu gehen, wenn wir uns wohlfühlen.
● Wir machen dann besser mit und haben weniger Fehlzeiten.
● Die Schule sieht spannender und gemütlicher aus und ist nicht mehr so langweilig mit kahlen weißen Wänden.
● Der Schulhof ist wichtig, weil wir uns in den Pausen vom anstrengenden Lernstoff entspannen.
Kommentar
Dass viele unserer Schulgebäude nicht gerade Orte des Wohlfühlens sind, hängt auch mit ihrer Architektur oder/und ihrem baulichen Zustand zusammen. Die Kinder & Jugendlichen machen zum Punkt „Schöne Schule“ die ausführlichsten Anmerkungen; immerhin ist die Schule der Ort, an dem sie einen großen Teil ihrer Kindheit und frühen Jugend verbringen (müssen).
Ich habe an ein paar Stellen in diesem Beitrag Fotos von Schulen eingestreut, die den Eindruck vermitteln, dass da die Verantwortlichen wussten, was Kinder und Jugendliche brauchen – oder sie einfach in die Planungen einbezogen haben.
Chill- und Lernräume für alle Schulen

Chill- und Lernräume für alle Schulen und Lerneinrichtungen:
● Es gibt mindestens einen Chill- und Lernraum. Wenn es möglich ist, gibt es auch getrennte Räume zum Chillen und Lernen und auch für jeden Jahrgang einen eigenen Raum.
● Alle Schüler*innen können den Raum während und nach der Schulzeit und in den Pausen nutzen, um in Ruhe zu lernen.
● Die Räume sind dauerhaft offen
● In den Räumen sind Spielgeräte (z.B. Kicker), gemütliche Sitzmöglichkeiten, Tische und Stühle und eine technische Ausstattung.
● Snack- und Getränkeautomaten mit günstigen/nicht zu teuren Preisen sind vorhanden.
● Elektronische Geräte (z.B. Handy) sind erlaubt.
● Stilles, selbstständiges Lernen ist möglich.
Darum ist uns das wichtig:
● Wir haben einen Ort, um uns ungestört konzentrieren zu können. Nicht alle können sich zu Hause konzentrieren oder haben ein eigenes Zimmer für sich.
● Wir können uns beim Lernen gegenseitig helfen. Nicht alle dürfen Freunde mit nach Hause bringen oder haben Eltern, die beim Lernen helfen.
● Wir haben mehr Motivation, weil wir Hausaufgaben schon in der Schule machen können und zuhause dann Freizeit haben.
● Wir haben einen Ort, wo es leise ist, wir uns entspannen können und (allein) runterkommen können, wenn uns z.B. alles zu viel wird.
● Nachmittags sind wir sehr lange in der Schule und brauchen deshalb auch Räume zum Chillen. Schule ist wie ein zweites Zuhause.
● Wir können Pausen auch drinnen verbringen, wenn es im Sommer draußen zu warm und im Winter zu kalt ist oder es regnet.
Tablets für alle Schulen
Der Staat soll für alle Schulen Tablets finanzieren:
● Ab der 5. Klasse sollen Tablets für Rechercheaufgaben (nach Aufforderung der Lehrkraft) zur Verfügung stehen. Ab der 8. Klasse sollen alle Schüler*innen Tablets haben.
● Auch in höheren Klassen soll es keine Pflicht zur Tablet-Nutzung geben, sondern auch die Möglichkeit mit Stift und Zettel zu arbeiten.
● Die Tablets können für Recherchen genutzt werden.
● Die Tablets werden durch die Lehrkräfte freigegeben.
● Blaulichtfilter werden bei den Tablets eingestellt, um die Augen zu schonen.
● Die zeitliche Nutzung ist begrenzt (Vertrauensbasis).
● Programme und Websites sind begrenzt.
● Ein funktionierendes Schul-WLAN ist eine Voraussetzung.
● Wir wollen auch lernen, wie man mit Tablets gut umgehen kann.
Darum ist uns das wichtig:
● Es ist wichtig für uns, weil das Erwachsenenleben bereits kurz nach der Schule beginnt.
● Wir können einfach Recherchearbeiten im Internet durchführen.
● Wir haben weniger zu tragen und schonen unseren Körper (… keine schweren Bücher mehr tragen).
● Papier wird gespart.
● Barrierefreiheit wird verbessert.
● Die Tablets sind eine Unterstützung als Lernhilfe, z.B. für Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwäche.
IT-Pflichtausbildung für Lehrer:innen
Ausbildung von Lehrkräften in IT-Nutzung als Pflicht:
● Grundkenntnisse für alle Lehrerinnen, Erzieherinnen, Schulsozialarbeiterinnen zur IT-Nutzung sicherstellen.
● Dazu gehört auch, Schülerinnen über Chancen und Risiken der digitalen Welt aufzuklären.
● In regelmäßigen Fortbildungen sollen die Lehrkräfte auf dem aktuellen Stand bleiben.
● Zusätzlich gibt es Workshops, in denen Schülerinnen freiwillig den Lehrkräften helfen.
Darum ist uns das wichtig:
● IT-Kompetenzen sind für alle Fächer wichtig.
● Viel Unterricht basiert auf der Nutzung von Technik.
● Es geht keine Zeit verloren im Unterricht wegen schlechten IT-Kenntnissen von Lehrerinnen.
● Schülerinnen müssen Lehrerinnen mit IT-Kompetenzen fragen können und nicht umgekehrt den Lehrkräften die IT-Nutzung beibringen.
● Wir erleben, dass Lehrerinnen nicht in der Lage sind, ein Whiteboard zu bedienen oder eine Bluetooth-Box zu verbinden.
● IT-Kompetenzen gehören mittlerweile zur Grundausbildung.
Späterer Schulstart
Die Schule soll frühestens ab 8 Uhr starten:
● Für die Klassen 1-6 startet die Schule ab 8 Uhr Schule, ab der 7. Klasse ab 9 Uhr.
● Die Schulen sollen selber entscheiden können, wann die Schule beginnt. Auch die Schüler*innen dürfen darüber mitentscheiden.
● Wenn der Unterricht erst eine Stunde später beginnt, kann er auch eine Stunde länger dauern.
● Wir können vor dem Unterricht individuell lernen.
● Es gibt auf Wunsch eine Extra-Betreuung vor 9 Uhr für Kinder.
● Schulwege mit Bus und Bahn für den Schulstart berücksichtigen, insbesondere in ländlichen Gegenden.
● Besondere Bedingungen der Ganztagsschule beachten.
Darum ist uns das wichtig:
● Wir können uns besser konzentrieren und können mehr im Unterricht mitmachen.
● Wir haben mehr Schlaf und einen entspannteren Morgen.
● Die Hausaufgaben können wir vor dem Schulstart fertig machen.
● Im Winter ist es um die Zeit heller und wir sind dadurch wacher.

Kleiderordnung abschaffen
Keine Kleiderordnung an Schulen:
● Wir wollen selber entscheiden, was wir anziehen und wie viel wir von unserem Körper zeigen möchten. Das soll uns niemand vorgeben.
● Niemand soll uns sagen, wie wir uns zu kleiden haben.
Darum ist uns das wichtig:
● Egal was wir anziehen, wir sind alle gleich und so zu akzeptieren, wie wir sind.
● Niemand darf wegen seiner Kleidung beleidigt oder belästigt werden.
● Wenn wir wegen unserer Kleidung beleidigt oder belästigt werden, ist das nicht unsere Schuld, und wir dürfen dafür nicht verantwortlich gemacht werden.
Schulhaustiere
Schulen sollen bei der Anschaffung von Schulhaustieren, wie Meerschweinchen, Hamstern, Kaninchen, Hühnern unterstützt werden:
● Wir stimmen die Anschaffung von Schulhaustieren gemeinsam ab.
● Tiere räumlich vom Klassenraum getrennt halten.
● Eine Tier-AG betreut die Tiere (freiwillig, Allergien und Phobien beachten).
● In den Ferien nimmt Jemand das Tier mit nach Hause und kümmert sich darum.
● Die Tiere werden mit in den Unterricht und in die Schulsozialarbeit eingebaut.
● Mit Tierheimen zusammenarbeiten.
Darum ist uns das wichtig:
● Wir freuen uns mehr, zur Schule zu gehen.
● Mehr Gruppenarbeit mit Tieren
● Wir lernen, Verantwortung zu übernehmen.
● Auch Kinder ohne Tiere zuhause können einen Kontakt mit Tieren bekommen.
● Psychisch belasteten Kindern wird durch Tiere geholfen.
Musik im Unterricht
In einigen Fächern soll Musik hören erlaubt sein:
● Die Schule klärt, in welchen Fächern, das passend ist (z.B. im Kunstunterricht beim Malen oder beim Sportunterricht).
● Die Klasse stimmt ab, welche Musik läuft, oder wir hören in Einzelarbeitsphasen individuell über Kopfhörer Musik.
● Neben Lern- und Gesprächsphasen gibt es feste Musikphasen.
● Die Nutzung ist freiwillig.
● Es wird mehrsprachige Musik angeboten, um Sprachen zu lernen.
● Texte beim Sachunterricht vorspielen lassen.
Darum ist uns das wichtig:
● Manche von uns können sich besser konzentrieren und sind motivierter, wenn sie Musik hören.
● Die Lautstärke ist insgesamt in der Klasse niedriger.
● Musik regt Kreativität im Kunstunterricht an.
● Musik kann beruhigen und wirkt gegen Stress.
● Das ist eine andere Form des Lernens.
Fridays for Food
Mitentscheiden können, was es in Schulen zu essen gibt:
● In jeder Schule soll es die Möglichkeit geben, dass wir uns Essen besorgen können (z.B. Kantine, Stand, Kiosk).
● Das Essen soll lecker und kostengünstig sein.
● Es muss immer vegetarische oder vegane Gerichte als Alternative geben.
● Wir gestalten den Essensplan mit und können zu allen Gerichten abstimmen (über Tablets/Schulgeräte).
● Ärmere Familien werden bei den Essenskosten unterstützt.
Darum ist uns das wichtig:
● Essenspausen sind wichtig für unsere Konzentration. Wir haben dann auch wieder mehr Energie für den Lernstoff.
● Für lange Schultage wollen wir uns Essen auch mal in der Schule besorgen können.
● Manche von uns müssen zuhause lange auf das Essen warten, weil die Eltern lange arbeiten müssen.
● Wir haben manchmal wenig Zeit am Morgen, um Essen vorzubereiten.







