Initiative #47: Der FreiDay

Es hat ein bisschen gedauert, ehe mir klar wurde, was die Initiative mit „FreiDay“ meint. Es ist tatsächlich eine ganze Menge. Ich würde es einen „Paradigmenwechsel“ nennen, obwohl ich sehr vorsichtig bin mit solchen großen Begriffen. Im Folgenden versuche ich, den Umfang des Ganzen etwas zu verdeutlichen.

Hintergrund

FreiDay steht auf dem Hintergrund des Nachhaltigen Lernens, bzw. der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE). Hier ist das Portal dazu. Interessant: BNE ist eine bürgerliche Initiative, die von den Vereinten Nationen und vom Bundesbildungsministerium aufgenommen wurde. Das verlinkte Portal verantwortet das Ministerium von (derzeit) Frau Karliczek.

Quelle: Klimaschutz-nv.de

Paradigmenwechsel

Bei diesem Konzept geht es um einen Wechsel der Bildungsziele in den Schulen: Die Initiatoren wollen sich abwenden von der bloßen Erfüllung der Lehrpläne, deren Inhalte mithilfe kunstvoller Lehrmethoden den Schüler:innen nahegebracht werden sollen. Stattdessen sollen die Schüler:innen ausgerichtet werden auf die Herausforderungen der Zukunft. Wenn sie erkannt haben, dass sie diese mitgestalten können, kämen sie auch von selbst auf wertvolle Ideen für den Unterricht.

„Was ist das Ziel von guter Bildung? Jenseits von konkreten Inhalten soll sie Menschen die Kompetenz vermitteln, ihr eigenes Umfeld selbst zu gestalten. Gute Bildung geht deshalb über reines Faktenwissen hinaus und ermöglicht es Jeder und Jedem Fähigkeiten zu entwickeln wie etwa

  • vorausschauendes Denken;
  • interdisziplinäres Wissen;
  • autonomes Handeln;
  • Partizipation an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen.“

https://www.bne-portal.de/de/was-ist-bne-1713.html

Margret Rasfeld

Bildung für Nachhaltige Entwicklung ist verbunden mit dem Namen Margret Rasfeld. Ihr Name tauchte im Zusammenhang mit Educators for Future bereits einmal in diesem Blog auf. Ich habe diese beeindruckende ehemalige Schulleiterin auf einer Tagung kennengelernt und durfte/musste miterleben, wie ihr Kernanliegen auch von reformfreudigen Teilnehmer:innen nicht verstanden wurde, die eher schulstrukturell dachten und nicht sehen wollten/konnten, dass sie reformpädagogisch und inhaltlich von Margret Rasfeld gewissermaßen rechts überholt wurden, obwohl sie sich in ihrem Referat und den Diskussionen klar ausgedrückt hatte.

M. Rasfeld
Margret Rasfeld. Quelle: Wikipedia

Frau Rasfeld hat übrigens den „Aufbruch Award“ von der Süddeutschen Zeitung und Google zugesprochen bekommen. Sie wird dort mit den Worten zitiert:

„Aus 39 Jahren Lehrerin- und Leitungs- und Fortbildungserfahrung bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass das herkömmliche Bildungssystem den Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft nicht gerecht werden kann“, schreibt sie auf ihrer Homepage. „Eine radikale Neuausrichtung des Bildungsethos und der Lernformate ist erforderlich. Dafür setze ich mich ein.“

Der FreiDay

Was ist nun der FreiDay? Es ist der Versuch, die Bildung für Nachhaltige Entwicklung an einem Tag oder für vier Stunden pro Woche in der Schule zu verankern. Das wird auf dieser Seite ausführlich erläutert. Hier ein Zitat:

„Der FREI DAY ist der Zukunftstag, mit mindestens vier Stunden jede Woche. Er ist ein strukturell verankerter Möglichkeitsraum für kreative innovative Ideen und Lösungen, ein Treiber für Kreativität und Innovationskraft, ein Gestaltungs-Raum für das Neue, was in die Welt kommen will. Am FREI DAY können sich Leidenschaften und Talente entfalten, Potenziale entdeckt und ausgebaut werden.

Beim FREI DAY geht es um Wissen, Handeln, Netzwerken. Als Zukunftstag setzt der FREI DAY nicht nur ein klares Zeichen für die gesamte Institution, sondern initiiert durch den Aufbau von Netzwerken auch immer wieder neue Ideen und Kraftfelder.

Schulen werden so zu WERK-Stätten, WIRK-Stätten und TAT-Orten für weltverantwortliches Handeln.“

Schule im Aufbruch (SiA)

In den Kontext von BNE und FreiDay gehört auch das Konzept von „Schule im Aufbruch“. Hier ein Ausschnitt aus der Selbstauskunft:

„Schule im Aufbruch steht für eine ganzheitliche und transformative Bildung, wie sie im Weltaktionsplan Bildung für Nachhaltige Entwicklung von der UNESCO formuliert ist. Es geht um Verantwortungsübernahme für sich selbst, für die Mitmenschen und für unseren Planeten.“

Diese Initiative hat sich unter anderem mit dem Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV) vernetzt, der BNE zu einem Schwerpunkt ausbauen möchte.

Eine Bewegung

Der Begriff „Bewegung“ ist aufgrund unserer unheilvollen Geschichte etwas belastet. Dennoch würde ich ihn hier verwenden, weil tatsächlich etwas in Bewegung geraten ist: Das Ziel, die Zukunft zu gestalten, verbindet die schulischen Graswurzeln mit den höchsten organisatorischen Ebenen (Vereinte Nationen, Bundesministerium). „Unten“ ist es erkennbar ernst gemeint, „oben“ wohl auch. Ob dies aber auch zu entsprechenden politischen Entscheidungen führt, darf angesichts der derzeitigen klimapolitischen Inkonsequenzen bezweifelt werden. Aber schon die zunehmend breite Wirksamkeit im schulischen Alltag darf als Erfolg verbucht werden. Und als Zeichen der Hoffnung.

2 comments On Initiative #47: Der FreiDay

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