Fun #15: Dr. Frankensteins Unwesen

Das ist jetzt Satire und leider doch real: Wir erleben gerade wie ein Dr. Frankenstein im bayerischen Kultusministerium sein Unwesen treibt und ein neues solches erschafft.

An die Öffentlichkeit getreten wurde das arme Wesen am 24.07.2020 in einem kultusministeriellen Schreiben (KMS). Darin wird erfreulich deutlich, aus welchen Körperteilen die unschuldige Kreatur zusammengesetzt ist. Die Zitate sind echt.

Teile des Körpers werden „Personen mit abgeschlossener Lehramtsausbildung“ entnommen; dass sind die best parts.

Nicht ganz so gut, aber immer noch okay sind die Glieder von „Lehramtsstudierende[n] höherer Fachsemester“.

Auf dem Friedhof der Beschäftigungslosigkeit findet man Teile von „Personen mit anderem abgeschlossenem Hochschulstudium“. Diese Forstwissenschaftler, Ingenieure, Sinologen, Informatiker, Philosophen oder Ökotrophologen (bitte immer das :innen mitdenken) werden dem Lehrkörper irgendwie eingepflanzt.

Es gibt dann auch noch minderwertige Lehrkörper an „Grund-, Mittel- und Förderschulen“. Hier werden auch Teile von „Personen mit einer Vorbildung im erziehungswissenschaftlichen Bereich oder einer pädagogischen Ausbildungsrichtung zum Einsatz kommen“ – Hauptsache, die Organe sind irgendwie erzieherisch oder pädagogisch funktional.

Ja nun, Funktion – zu welchem Zwecke wurde das neue Wesen eigentlich erschaffen? In dem folgenden Ausschnitt habe ich nur einen einzigen Begriff* ausgetauscht:

Monster und Meister:in. Quelle: PxFuel

„Die Kreaturen übernehmen den Präsenzunterricht einer Lehrkraft, die coronabedingt nicht selbst vor der Klasse stehen kann und arbeiten bei der Unterrichtsvor- und -nachbereitung oder bei der Korrektur eng mit dieser Stammlehrkraft zusammen.“

Das (Un)Wesen ist also so konstruiert, dass es den Willen und die Befehle seines/r jeweils abwesenden Meister:in entgegennimmt und vor einer Schulklasse mehr oder weniger behände ausführt. Solcherart ferngesteuert, liegt also sein Existenzzweck darin, ein zeitlich begrenztes Abbild einer fachlich versierten Lehrkraft auf der Bühne der Schulklasse darzustellen. Dementsprechend ist die Lebensdauer, im Folgenden „Vertragsdauer“ genannt, fest programmiert:

„Die Vertragsdauer richtet sich nach der coronabedingten Abwesenheit der jeweiligen Lehrkraft, längstens für die Dauer des Schuljahres 2020/21.“

Danach möge das Geschöpf in Frieden ruhen, ehe ein neuer Dr. Frankenstein es ausschlachtet, um einem mit Sicherheit wieder entstehenden (Lehrer-)Mangel abzuhelfen. Die arme Seele!

* Im KMS steht „Teamlehrkraft“ anstelle von „Kreaturen“.

Warum ich so stinkig bin? Hier die Antwort.


Weitere Hinweise unter diesem Link:

https://www.km.bayern.de/allgemein/meldung/7028/jetzt-als-teamlehrkraft-die-bayerischen-schulen-unterstuetzen.html

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