Fail #62: Fremdschämen für die Philologen

Wie peinlich: Kaum hat Ministerpräsident Söder für die Mittel- und Grundschullehrer angekündigt, dass sie in naher Zukunft wie Realschul- und Gymnasiallehrer auch A13 als Anfangsgehalt beziehen sollen, schon äußert sich der Chef des Bayerischen Philologenverbandes mit interessanten Argumenten.

Zum Verständnis: Die Gymnasiallehrer nennen sich „Philologen“, also „Freunde des Wortes“.

A13 für alle: Keine Maßnahme gegen Lehrermangel

bpv-Vorsitzender Michael Schwägerl kommentiert die Ankündigung des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, A13 als Einstiegsgehalt für alle Lehrkräfte einzuführen: „Die Ankündigung des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder kam überraschend und verwundert uns sehr. Die Maßnahme bedeutet hohe Aufwendungen an Steuergeldern im dreistelligen Millionenbereich, ohne dass eine zusätzliche Lehrkraft eingestellt oder eine zusätzliche Stunde unterrichtet wird. A13 für alle Lehrkräfte ist keine Lösung des akuten und mittelfristigen Lehrermangels, das hat auch Kultusminister Michael Piazolo zu Beginn des Schuljahres verdeutlicht. Zudem ist die Attraktivität des Lehrerberufs nicht direkt an die Bezahlung gekoppelt, das belegen auch die aktuellen Studierendenzahlen: Die Zahlen der Studienanfänger für das Lehramt am Gymnasium und an der Realschule, mit späterem Einstiegsgehalt A13, sind rückläufig, im Grundschullehramt nehmen sie hingegen zu. Was den Lehrberuf tatsächlich attraktiv machen würde, wären massive Investitionen in zusätzliche Unterstützungskräfte und Entlastungsmaßnahmen für die vorhandenen Lehrkräfte.“

Schon ein bisschen peinlich. Bild von Сергей Корчанов auf Pixabay

Mein Kommentar dazu

„Die Ankündigung des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder kam überraschend und verwundert uns sehr. Die Maßnahme bedeutet hohe Aufwendungen an Steuergeldern im dreistelligen Millionenbereich, ohne dass eine zusätzliche Lehrkraft eingestellt oder eine zusätzliche Stunde unterrichtet wird.

Der Herr ist sehr verwundert, dabei könnte er sich eigentlich darüber freuen, dass – egal welche – Lehrkräfte etwas höher besoldet werden, weil damit auch der hohe Wert der Unterrichtsarbeit betont wird.

Stattdessen mault er darüber, dass das einen Haufen Geld kostet. Stimmt. Aber diese Kosten verursachen die Gymnasiallehrer*innen schon seit Jahrzehnten. Es wäre also vielleicht eine Alternative, zugunsten der hochbelasteten öffentlichen Kassen auf einen Teil seines Gehaltes zu verzichten? Aber ich fürchte, so ernst hat der Kollege das nun auch wieder nicht gemeint.

A13 für alle Lehrkräfte ist keine Lösung des akuten und mittelfristigen Lehrermangels, das hat auch Kultusminister Michael Piazolo zu Beginn des Schuljahres verdeutlicht.

Hat er? Ich weiß nur zweierlei: a) Piazolo hat sich immer wieder für eine Gehaltserhöhung eingesetzt, so dass Grund- und Mittelschullehrer*innen auch mit A13 einsteigen können. Dieses Ansinnen ist mit unschöner Regelmäßigkeit an der CSU-Fraktion gescheitert und wurde jedes Mal vonseiten des Philologenverband bemäkelt. b) Ich kenne viele Kolleg*innen an verschiedenen Schularten, für die Gehaltsüberlegungen immer im Raum standen.

Zudem ist die Attraktivität des Lehrerberufs nicht direkt an die Bezahlung gekoppelt,

Aber mindestens indirekt, vor allem in städtischen Großräumen, wo die Lebenshaltungskosten immer weiter steigen. Lehrer*innen, die zur Miete wohnen oder Darlehen für ein Reihenhaus abzahlen müssen, sind auf jeden Cent angewiesen. Da kann A13 besser helfen als A12.

Das belegen auch die aktuellen Studierendenzahlen: Die Zahlen der Studienanfänger für das Lehramt am Gymnasium und an der Realschule, mit späterem Einstiegsgehalt A13, sind rückläufig, im Grundschullehramt nehmen sie hingegen zu.

Kommt darauf an, welchen Zeitraum man dabei anschaut. Hier noch mal die Tabelle vom vorigen Beitrag:

Zunahme im Bereich Grundschule seit 2017 ja, seit 2020 nein. Von 2487 auf 1834 erkennen wir einen Rückgang um gut 26 Prozent! Der Herr Philologe beliebt nur den Ausschnitt der Wirklichkeit in seine Argumentation aufzunehmen, der seinem Geschmack entgegenkommt. Das ist entweder peinlich für jemand, der ein wissenschaftliches Studium hinter sich hat oder halt bloßes Verbandsgehabe. Oder beides.

Außerdem werde ich den Verdacht nicht los, dass sich die Philologen für etwas Besseres halten und nicht mit bloßen „Lehrern“ in einen Topf geworfen werden. Schließlich geht mit einer höheren Bezahlung auch ein höheres Prestige einher.

Was den Lehrberuf tatsächlich attraktiv machen würde, wären massive Investitionen in zusätzliche Unterstützungskräfte und Entlastungsmaßnahmen für die vorhandenen Lehrkräfte.“

Da stimme ich ihm aus ganzem Herzen zu. Aber warum das gegen die Gehaltsanpassung ausspielen?

Fazit

Si tacuisses…

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