Argumente #30: Welche Rolle spielt das Lehrergehalt?

In einem Blogbeitrag hatte ich vor kurzem den bayerischen Philologenverband zitiert, der nach der Ankündigung unseres Ministerpräsidenten, in Zukunft auch Grund- und Mittelschullehrkräfte ähnlich zu bezahlen wie Realschul- und Gymnasiallehrkräfte, nicht versäumte darauf hinzuweisen, dass die Attraktivität des Lehrerberufs nicht direkt an die Bezahlung gekoppelt, sei. Leider erwiesen sich die Zahlen, auf die der Interessenverband hinwies, als etwas widerspenstig.

Spielt die Bezahlung eine Rolle? Bild von Niek Verlaan auf Pixabay

Heute (05.10.22) berichtet die Süddeutsche Zeitung über die neue OECD-Studie „Bildung auf einen Blick„. Darin werden u.a. die Lehrergehälter der beteiligten Länder sehr differenziert betrachtet. Dazu wird Andreas Schleicher zitiert:

„Die Bezahlung der Lehrkräfte erklärt relativ wenig“, sagte Andreas Schleicher, Bildungsdirektor der OECD, bei der Vorstellung der Studie am Montag in Berlin.

Das ist eine interessante Feststellung, wenn man die einschlägigen Seiten durchliest, beispielsweise Seite 423. Hier steht zu lesen (Hervorhebungen von mir):

Die Bildungssysteme konkurrieren mit anderen Sektoren der Wirtschaft um hoch qualifizierte Absolventen, da sie sie als Lehrkräfte gewinnen wollen. Forschungsergebnisse zeigen, dass Gehälter und alternative Beschäftigungsmöglichkeiten, die diesen Absolventen offenstehen, wesentliche Faktoren der Attraktivität des Lehrerberufs sind (Johnes and Johnes, 2004[3]). Die Gehälter von Lehrkräften in Relation zu denen von Beschäftigten in Berufen mit ähnlichen Ausbildungsanforderungen und die zu erwartenden Einkommenssteigerungen können einen großen Einfluss darauf haben, ob sich Absolventen dafür entscheiden, den Lehrerberuf aufzunehmen bzw. ihn langfristig auszuüben

Also ein direkter Widerspruch zu Schleichers Aussage. Bleibt noch die Frage, wie die Lehrerbesoldung im Vergleich zum Verdienst anderer Absolventen einer Universität dasteht. Auch da wird differenziert (Seite 417, Hervorhebung von mir):

Die tatsächlichen Gehälter von Lehrkräften im Elementarbereich (ISCED 02), Primar- und allgemeinbildenden Sekundarbereich sind im Durchschnitt der OECD-Länder und subnationalen Einheiten 4 bis 14 % niedriger als die Erwerbseinkommen von Beschäftigten mit einem Abschluss im Tertiärbereich.

Wichtig ist der Hinweis auf die Stufen, in der die Lehrkräfte unterrichten. Denn: „In der Regel steigen die Gehälter der Lehrkräfte, je höher der Bildungsbereich ist, in dem sie unterrichten“ (S. 419).

Nicht alle erhalten dasselbe. Bild von Alexa auf Pixabay

Daraus lässt dich möglicherweise schließen, dass die folgenden Aussagen daraufhin abzuklopfen sind, um welche Art von Lehrkräften es sich jeweils handelt:

Im Durchschnitt verdienen diese Lehrkräfte hierzulande fast 90 000 US-Dollar im Jahr, im OECD-Schnitt sind es nur rund 50 000 Dollar. Gleichzeitig müssen Lehrkräfte in Deutschland vergleichsweise wenig unterrichten: Pro Jahr sind es im Mittel 641 Stunden, gegenüber 711 Stunden im OECD-Schnitt.

Nicht vergessen: Realschul-, Gymnasial-, Berufs-, Berufsoberschul- und Sonderschullehrkräfte verdienen (? Ich sollte genauer schreiben: „erhalten“) schon im Anfangsgehalt eine Stufe höher als ihre Kolleg*innen an Grund- und Mittelschulen, nämlich A13 gegenüber A12. Dafür haben sie ein geringeres Stundendeputat.

Vielleicht erklärt das ja doch den aktuellen Lehrkräftemangel an Grund- und Mittelschulen.

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