Initiative #54: Keine zweite Runde – weg mit dem Sitzenbleiben, dafür Chancen schaffen!

  1. Wahlperiode 04.06.2025 Drucksache 19/6939

Antrag

der Abgeordneten Katharina Schulze, Johannes Becher, Gabriele Triebel, Ludwig Hartmann, Claudia Köhler, Jürgen Mistol, Verena Osgyan, Tim Pargent, Stephanie Schuhknecht, Kerstin Celina, Andreas Hanna-Krahl, Sanne Kurz, Eva Lettenbauer, Julia Post, Dr. Sabine Weigand, Christian Zwanziger und Fraktion (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Keine zweite Runde: Weg mit dem Sitzenbleiben, dafür Chancen schaffen!

Der Landtag wolle beschließen:

Die Staatsregierung wird aufgefordert, Klassenwiederholungen im bayerischen Schulsystem abzuschaffen und durch eine verpflichtende, kostenlose Lernförderung zu ersetzen, die gezielte Unterstützung für Schülerinnen und Schüler mit Leistungsdefiziten bietet. Dabei sind folgende Maßnahmen umzusetzen:

  1. Einführung einer individuellen und kostenfreien Lernförderung:
    Eine flächendeckende Lernförderung soll gezielt Leistungsrückstände aufarbeiten und verpflichtend für Schülerinnen und Schüler mit Defiziten angeboten werden, um Klassenwiederholungen weitestgehend zu vermeiden.
  2. Fokus auf benachteiligte Schülerinnen- und Schülergruppen:
    Schulen sollen Schülerinnen und Schüler in Übergangsjahren und mit besonderen Herausforderungen priorisiert fördern.
  3. Ressourcen gerecht verteilen:
    Eine generell sozialindexbasierte Ausstattung von Schulen soll sicherstellen, dass finanzielle und personelle Mittel dort ankommen, wo sie am dringendsten gebraucht werden.
  4. Verbindliche Förderpläne und Erfolgskontrolle:
    Fördermaßnahmen sind durch Lernvereinbarungen verbindlich zu machen und regelmäßig auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen.

Begründung:

Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass Sitzenbleiben keinen langfristigen Lerneffekt hat und häufig zu Schulabbrüchen führt.

Klassenwiederholungen sind in Bayern nicht nur ineffizient, sondern auch teuer: Im Schuljahr 2022/2023 mussten 23 337 Schülerinnen und Schüler eine Klasse wiederholen – der höchste Wert der letzten fünf Jahre. Im Durchschnitt betrifft dies jedes Jahr 20 329 Schülerinnen und Schüler. Besonders betroffen sind dabei Gymnasien (durchschnittlich 8 030 Sitzenbleiber pro Jahr) und Realschulen (7 511). Bayern gibt pro Schülerin bzw. Schüler jährlich 10.400 Euro aus (Statistisches Bundesamt 2022). Im Schuljahr 2022/2023 summierten sich die Kosten für Sitzenbleiber auf über 242 Mio. Euro – Geld, das stattdessen in gezielte Förderung investiert werden könnte.

Ein alarmierendes Problem ist die Benachteiligung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund. Obwohl diese nur 28,5 Prozent der Gesamtschülerinnen- und Gesamtschülerschaft ausmachen, stellen sie fast 40 Prozent der Klassenwiederholerinnen und Klassenwiederholer (39,07 Prozent im Schuljahr 2023/2024). Der größte Anstieg dieses Anteils wurde im Schuljahr 2021/2022 verzeichnet (+ 6,52 Prozent). Dieses Missverhältnis zeigt, dass soziale Herkunft und Bildungsungerechtigkeit weiterhin untrennbar verbunden sind.
Hamburg zeigt, wie es besser geht: Dort wurde durch eine kostenlose, verpflichtende Lernförderung der Anteil der Klassenwiederholungen auf nur noch 1,2 Prozent reduziert.
Eine gezielte individuelle Förderung würde nicht nur Bildungschancen verbessern, sondern auch Kosten senken, Chancengerechtigkeit fördern und den Einfluss sozialer Herkunft auf den Bildungserfolg minimieren. Bayern darf nicht länger an einem ineffektiven System festhalten, sondern muss in zukunftsorientierte Bildungsmaßnahmen investieren.

Beschlussempfehlung und Bericht

des Ausschusses für Bildung und Kultus

Antrag der Abgeordneten Katharina Schulze, Johannes Becher, Gabriele Triebel u.a. und Fraktion (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Drs. 19/6939
Keine zweite Runde: Weg mit dem Sitzenbleiben, dafür Chancen schaffen!

I. Beschlussempfehlung:
A b l e h n u n g
Berichterstatter: Christian Zwanziger
Mitberichterstatter: Norbert Dünkel

II. Bericht:

  1. Der Antrag wurde dem Ausschuss für Bildung und Kultus federführend zugewiesen. Weitere Ausschüsse haben sich mit dem Antrag nicht befasst.
  2. Der federführende Ausschuss hat den Antrag in seiner 28. Sitzung am Juli 2025 beraten und mit folgendem Stimmergebnis:
    CSU: Ablehnung
    FREIE WÄHLER: Ablehnung
    AfD: Ablehnung
    B90/GRÜ: Zustimmung
    SPD: Zustimmung
    A b l e h n u n g empfohlen.

Dr. Ute Eiling-Hütig
Vorsitzende

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