Gast #43: „Mund-Nasenschutz ist keine Gefahr für ein Kind. Punkt.“

An der Schule meiner Kinder haben sich Eltern gegen die Maskenpflicht im Unterricht erhoben. Die Schule stellte umgehend klar, dass diese Eltern keinesfalls im Namen der Schule sprechen. Zahlreiche Stellungnahmen haben bewiesen, dass sie auch nicht für eine Mehrheit von Eltern sprechen, sondern nur für einige wenige. Hier der Brief einer Psychotherapeutin, die mir die Verwendung erlaubt hat. Die adressierte Mutter wurde anonymisiert.

Sehr geehrte Frau B.,

ja, in der Tat „sehen EINIGE Eltern die Dinge ähnlich“:

Weil wir Menschen ganz instinktiv zu einer Sichtweise neigen, bei der uns „das Hemd näher als die Hose“ ist.

Wir sind so viel geneigter, uns mit uns selbst und UNSEREN jeweiligen Partialinteressen zu identifizieren.

Das ist wohl evolutionär natürlich – vernünftig oder gar klug ist es deshalb noch längst nicht. Geschweige denn weitsichtig oder verantwortungsbewusst.

Den „schwierigen“ Begriff der Moral lasse ich an dieser Stelle sogar bewusst beiseite – obgleich auch das durchaus eine bedenkenswerte Kategorie ist, zumal, wenn es buchstäblich UM LEBEN UND STERBEN geht… 

* Leider existiert KEINE Studie, die belegen würde, dass „das Virus bei Kindern schlechter andockt“. 

Was hingegen ein Befund ist, ist, dass Kinder naturgemäß ein wesentlich naiveres Immunsystem haben: Schlicht, weil ihnen in ihrem jungen Leben noch nicht so viele Erreger begegnet sind. Gegen SARS Cov II ist dies offenbar von Vorteil:

Das kindliche Immunsystem hat in Punkto Abwehrzellen quasi eine Menge ‚Rohlinge‘, so dass es beim Kontakt mit so einem menschheitsgeschichtlichen Novum an Virus besonders RASCH und EFFIZIENT die Rohlinge in perfekt zur ‚Schraube‘ passende ‚Schraubenschlüssel‘ umschmieden kann. Dadurch gelingt dem jungen Immunsystem ein hocheffektives Push-Back von SARS Cov II.

DEM HIMMEL SEI DANK! 

Denn bei der spanischen Grippe etwa war es ja genau andersherum:

Das hoch potente junge Immunsystem gefährdete seine TrägerInnen gerade durch seine überschießende entzündliche Abwehrreaktion. 

* An dieser Stelle ergibt sich ganz unmittelbar die Frage nach der mitmenschlichen SOLIDARITÄT innerhalb unserer Menschheitsfamilie:

Denn laut GKV-Verbänden gehören ca 20 MILLIONEN Menschen in Deutschland in unterschiedlicher Ausprägung zu RISIKOGRUPPEN. 

Viele Lehrkräfte etwa schon allein durch ihr Alter:

Bereits in der Altersgruppe von 55 – 64 a hat sich das Risiko, an einer Covid-19-Infektion zu versterben im Vergleich zur 10-Jahres-Kohorte darunter MEHR ALS VERDREIFACHT. (Aktuelle internationale multizentrische METASTUDIE mit strengsten transparenten Einschlusskriterien) 

* Und natürlich gehören schon rein statistisch auch jede Menge Eltern zu Risikogruppen: Teils durch bloßes Alter, durch Blutgruppe, Vorerkrankungen wie hohen Blutdruck, Asthma, Diabetes, Autoimmunerkrankungen, Gerinnungsstörungen u. v. a. m. oder auch schlicht durch Übergewicht… (selbst wenn unsere Verdrängung uns REGELHAFT in einer „Illusion der Unkaputtbarkeit“ wiegt 🤭, ändert das rein statistisch NICHTS an objektiven Risikofaktoren).

Für Eltern ist ihr Nachwuchs NATURGEGEBEN emotional der Nabel der Welt. Und das ist, als PRIMÄRER Impuls, auch gut und richtig so! 

Nur besteht Zivilisation in und AUFGRUND der Fähigkeit, auch PERSPEKTIVWECHSEL vornehmen zu können und vor allem ZU WOLLEN!

Die Bereitschaft und Fähigkeit, uns AUCH mit Interessen anderer zu identifizieren, hat uns zur kooperativsten und DAMIT biologisch ‚erfolgreichsten‘ Spezies auf diesem Planeten werden lassen.

Ich kann Sie vor diesem Hintergrund nur einladen und inständig bitten, den Blick vom ‚Nabel der Welt‘, also Ihrem Kind, AUCH in die Weite und auf das ‚große Ganze‘ zu richten.

Wohlverstanden:

NATÜRLICH muss über die Sinnhaftigkeit von Maßnahmen ein gesamtgesellschaftlicher KONSTRUKTIVER Diskurs geführt werden!!

Nur sollten, ja „MÜSSEN“ sich dabei zugleich alle eines höchsten Maßes an RATIONALITÄT und FAIRNESS befleißigen. 

Mit „Verweigerung“ und solipsistischem Egoismus ist letztlich wirklich NIEMANDEM geholfen. 

Kinder wollen frei atmen können. Ganz instinktiv. So wie WIR ALLE! 

Zugleich sind wir eine HOCHADAPTIVE Spezies:

Wir alle LERNEN und KÖNNEN LERNEN, das Notwendige und Richtige zu tun! 

Für uns selbst UND für andere: 

Vom Zähneputzen über das Links-u-Rechts-Schauen vor der Straßenüberquerung, über die Akzeptanz, dass Hund und Katze nicht am Schwanz gezogen werden wollen, bis hin zu der Fähigkeit, im Unterricht dem eigenen Bewegungsdrang eine zeitlang zu widerstehen oder „Privatgespräche“ zu unterlassen zugunsten der Konzentration aller MitschülerInnen. 

Schule ist IMMER AUCH ein Ort, an dem SOZIALE RÜCKSICHTNAHME vermittelt und gelernt wird. 

Und es ist IMMER die HALTUNG DER ELTERN, die Kinder instinktiv mitkriegen und widerspiegeln!

Das WISSEN wir aus sozialpsychologischer Forschung zu ERLERNTER ENTWERTUNG und Vorurteilen, wie etwa bei Rassismus, Xenophobie, Religion u. ä.

Die GRUNDHALTUNG der Eltern sollte also sein

„Ja, das ist ein nerviger Mist, diese doofen Masken! Zugleich BESCHÜTZEN wir damit ganz, ganz viele Menschen! Deshalb ist das eine KURZE ZEIT lang leider unumgänglich. (Nämlich genau, bis ENDLICH die überfällige Zulassung der Schnelltests erfolgt: Dann können Eltern ihren Kindern durch den Erwerb der Tests ganz direkt eine Wahl zum MNS bieten.) Wir SCHAFFEN das, halte noch ein bisschen durch, vieles ist einfach Gewohnheit, Du wirst sehen!“

Sobald aber die ELTERN eine dramatische MISSBILLIGUNG AUSSTRAHLEN, als würde ihr Kind verletzt oder genotzüchtigt, kommt diese nonverbale Botschaft absolut sicher an…

Eltern und Bezugspersonen können AUCH Kindern mit ihrer ganz natürlich höheren Instinkthaftigkeit und Impulsivität HELFEN, Einschränkungen zu ‚reframen‘, zu AKZEPTIEREN und damit einen guten UMGANG zu entwickeln!!!

Dass dabei ZUGLEICH immer eine EINFÜHLSAME WAHRNEHMUNG und Artikulierung kindlicher Befindlichkeiten stattfinden muss, versteht sich von selbst.

Und WENN im Einzelfall ein Kind Übelkeit oder Atemnot entwickeln sollte, die sich auch durch BEHUTSAMES TRAINING nicht reduzieren lassen – dann erfordert das ganz viel GUTEN WILLEN und Verständnis auf allen Seiten. Sowie die Bereitschaft und Kreativität, nach GANGBAREN Lösungen zu suchen!

Z. B. bei Grundschulkindern „Alle zusammen gehen nach 20 / 25 / 30 min (gestaffelt) 5 min an die frische Luft.“ (Neurobiologisch dürfte das ohnehin ganz prinzipiell das BESTE sein, was in derart jungem Alter für die kognitive Leistungsfähigkeit und Motivation von Kindern getan werden kann!!!)

Hier müssen und dürfen auch scheinbar „heilige Kühe“ der schulischen Gewohnheit hinterfragt werden und zur Disposition stehen. 

Was ich mir für uns alle wünsche, und wofür ich bei Ihnen sehr herzlich werben möchte, das ist ein PROAKTIVER und ADAPTIVER Umgang mit den Herausforderungen und Zumutungen einer PANDEMIE:

Diese Situation IST „endlich“!

Und wir WERDEN sie BEWÄLTIGEN. Doch kann das nur in einer GEMEINSAMEN ANSTRENGUNG ALLER gelingen. 

Bitte, bitte versuchen Sie dem instinktiven Impuls „Amerika first“ (also „MEIN Kind steht über allem und allen!“), nicht nachzugeben, sondern bemühen Sie sich BITTE, die Tatsache zu gewärtigen (und ihr Rechnung zu tragen), dass ein Kind die allerbesten Chancen auf eine GLÜCKLICHE Zukunft und eine befriedigende Gestaltung des eigenen Lebens hat, wenn es LERNT, sich in der Interaktion mit seinen Mitmenschen kooperativ und fair zu verhalten.

Egozentrik und Egoismus dagegen machen IMMER einsam.

Das ist keine „Meinung“ – sondern im Bezug auf unsere Spezies, die SOZIALSTE, interaktivste und damit INTERDEPENDENTESTE Spezies auf diesem Planeten, ein gut dokumentierter Befund.

Selbst überzeugte Atheistin, möchte ich an dieser Stelle die Bibel zitieren, einfach weil sie u. a. eine „eingedampfte Quinzessenz“ menschlichen Lebens und der damit verbundenen Herausforderungen und Dilemmata ist:

„Liebe Deinen Nächsten WIE DICH SELBST!“

heißt es dort so unglaublich weise… 

Wir werden uns und unserer menschlichen Natur also am besten gerecht, wenn wir uns stets und überall AKTIV um einen INTERESSENSAUSGLEICH aller bemühen!

WEDER ist es zielführend, sich in falsch verstandenem ‚Altruismus‘ selbst zu vergessen, gar ‚aufzuopfern‘ – NOCH bekommt es uns, wenn wir die Ellenbogen ausfahren und unsere eigenen Impulse und Interessen ohne Rücksicht auf andere, oder sogar AUF KOSTEN ANDERER, durchsetzen wollen.

Das LIEBEVOLLE ANERKENNEN einer ABSOLUTEN GLEICHWERTIGKEIT aller Menschen gebiert die Akzeptanz gegenüber KOMPROMISSEN, in denen BESTMÖGLICH die Interessen ALLER, wirklich aller, berücksichtigt werden.

Ganz konkret: 

MNS ist KEINE GEFAHR für ein Kind! Punkt. 

Er ist LÄSTIG, NERVIG, UNANGENEHM und eine EINSCHRÄNKUNG, die wir ALLE lieber gestern als heute wieder loswären. 

Zugleich ist es derzeit das mit Abstand KLEINERE ÜBEL, und daher BEFRISTET eine unumgängliche NOTWENDIGKEIT.

Der Vollständigkeit halber:

Ja, wenn nun IHR Kind das ausgeprochene Pech hat, darauf hypersensitiv zu reagieren (und zwar TROTZDEM Sie alles versucht haben, ihm einen unverkrampften Umgang mit dem MNS zu vermitteln!), dann ist es EINE mögliche Option, Ihr Kind in dieser HISTORISCH SINGULÄREN Situation für einen Überbrückungszeitraum zu Hause zu behalten. Dieses Recht muss Ihnen als fürsorgeberechtigten Eltern ganz selbstverständlich zustehen! 

Nur ergibt sich daraus in keiner Weise eine Berechtigung oder gar eine behauptete ‚Notwendigkeit‘, die eigenen HOCHINDIVIDUELLEN PARTIAL-INTERESSEN in ‚Wutbürger-Manier‘ zu einem ‚Kampf für vorgeblich „Entrechtete“‚ umzudeuten.

😖😟

BITTE, lassen Sie uns vielmehr alle an einem Strang ziehen, um GEMEINSAM diese historische Heimsuchung durchzustehen und bestmöglich zu bewältigen.

Die SOZIALE KOHÄSION ist etwas, was mitunter verkannt und UNTERSCHÄTZT wird in einer saturierten Wohlstandsgesellschaft (die etwa Augstein auch eine „hedonistische Mobilitätsgesellschaft“ nennt) mit ihrer selbstverständlichen Proklamation eines MAXIMALEN INDIVIDUALISMUS. Tatsache ist zugleich, dass gesamtgesellschaftliche Belastungssituationen und Herausforderungen von derartiger Tragweite und Intensität die individuellen Bewältigungsmöglichkeiten VOLLSTÄNDIG ÜBERSTEIGEN.

Wir BRAUCHEN also derzeit nichts mehr, als ZUSAMMENHALT. 

Vor diesem Hintergrund ist es gerade jetzt nicht die Zeit, für die maximale Durchsetzung von EIGENINTERESSEN „in den Kampf zu ziehen“.

Herzliche Grüße &

bleiben Sie und Ihre Lieben gesund

Julia Titze 

(Ärztin) 


Zur Ergänzung hier noch eine Stellungnahme des Bayerischen Elternverbandes.

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