„Schlaf Kindlein, schlaf!“


Albrecht, Joëlle N. et al. (2026). The Power of Flexible School Start Times, Journal of Adolescent Health, Volume 0, Issue 0


Students sleeping and yawning in a classroom with 'PHYSIK KLASSE 10' on the chalkboard.
Symbolbild, generiert von WordPress-KI

Die innere Uhr geht anders

Ältere Schüler:innen haben oft Schwierigkeiten, zu einer vernünftigen Zeit ins Bett zu kommen, was es ihnen erschwert, morgens früh mit der Schule zu beginnen. Der Grund dafür ist, dass Jugendliche biologisch bedingt später einschlafen als Erwachsene – ihre innere Uhr verschiebt sich im Laufe der Adoleszenz zunehmend nach hinten. Die Folge: Die meisten Jugendlichen bekommen an Schultagen nicht genug Schlaf, und das Schlafdefizit nimmt im Laufe der Woche zu.

„Das ist besorgniserregend, da chronischer Schlafmangel nicht nur das Wohlbefinden beeinträchtigt, sondern auch messbare Auswirkungen auf die psychische Gesundheit, die körperliche Entwicklung und die Lernfähigkeit hat“, sagt Oskar Jenni von der Universität Zürich (UZH). Jenni, ein Entwicklungspädiater, erklärt, dass die Schlafbiologie von Jugendlichen es ihnen unmöglich macht, früh genug einzuschlafen, um ihren Schlafbedarf zu decken. Ein späterer Schulbeginn am Morgen könnte daher erhebliche positive Effekte haben. Während die Auswirkungen eines späteren Schulstarts international gut erforscht sind, gibt es bisher kaum Studien zu flexiblen Modellen, die Schüler:innen die Wahl zwischen einem frühen und einem späteren Beginn ermöglichen.

Neues Schulmodell mit flexiblen Anfangs- und Endzeiten

Joëlle Albrecht, Reto Huber und Oskar Jenni von der Universität Zürich und dem Universitäts-Kinderspital Zürich haben nun eine Studie durchgeführt, die wissenschaftliche Belege für Schulpläne liefert, die besser auf die Bedürfnisse von Jugendlichen abgestimmt sind. Vor drei Jahren führte die Kantonsschule Gossau im nordöstlichen Kanton St. Gallen flexible Schulzeiten ein. Seitdem haben Schüler:innen die Möglichkeit, Module vor dem offiziellen Unterrichtsbeginn am Morgen, mittags oder nachmittags zu besuchen. Das bedeutet: Die Schüler:innen entscheiden selbst, wann sie ihren Schultag beginnen – sie können um 7:30 Uhr kommen oder bis 8:30 Uhr warten, wenn der offizielle Unterricht beginnt.

Mit diesem Modell untersuchte das Forschungsteam die Schlafgewohnheiten von Jugendlichen sowie die Auswirkungen von Schlafmangel auf ihre Gesundheit und schulischen Leistungen. Die Schüler:innen, die durchschnittlich 14 Jahre alt waren, wurden einmal unter dem alten Schulmodell (Beginn um 7:20 Uhr) und ein Jahr später unter dem neuen Modell befragt. Insgesamt wurden 754 Antworten ausgewertet.

Flexible Schulzeiten ermöglichen mehr Schlaf

Die Ergebnisse sind eindeutig: 95 % der Schüler:innen nutzten die Möglichkeit, später mit der Schule zu beginnen – im Durchschnitt 38 Minuten später als im alten System. Dadurch konnten sie morgens 40 Minuten länger schlafen. Da sie weiterhin etwa zur gleichen Zeit ins Bett gingen, erhöhte sich ihre Gesamt-Schlafmenge: An Schultagen schliefen die Schüler:innen durchschnittlich 45 Minuten länger.

Unter dem neuen Modell verbesserten sich zudem die objektiven Lernergebnisse in Englisch und Mathematik im Vergleich zu kantonalen Testergebnissen.

Es gab weitere Vorteile: „Die Schüler:innen berichteten von weniger Einschlafproblemen, und die gesundheitsbezogene Lebensqualität stieg“, fasst Erstautorin Joëlle Albrecht zusammen. Unter dem neuen Modell verbesserten sich zudem die objektiven Lernergebnisse in Englisch und Mathematik im Vergleich zu kantonalen Testergebnissen.

Verbesserte Gesundheit und schulische Leistungen

Die Studie, die im renommierten Journal of Adolescent Health veröffentlicht wurde, zeigt, dass flexible Schulbeginnzeiten ein wirksamer und praktischer Ansatz sein können, um chronischen Schlafmangel zu reduzieren und die psychische Gesundheit sowie die schulischen Leistungen von Jugendlichen zu verbessern. „Ein späterer Unterrichtsbeginn am Morgen kann daher einen bedeutenden Beitrag zur Bewältigung der aktuellen Krise der psychischen Gesundheit bei Schüler:innen leisten“, ergänzt Co-Autor Reto Huber. Eine Studie des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan) aus dem Jahr 2022 ergab, dass 47 % der 11- bis 15-Jährigen unter wiederholten oder chronischen psycho-affektiven Beschwerden litten, wie Traurigkeit, Müdigkeit, Angst, gedrückte Stimmung, Anspannung, Reizbarkeit, Wut und Einschlafstörungen.


DOI 10.1016/j.jadohealth.2026.01.011

Forschungsmethode Beobachtungsstudie

Forschungsthema Menschen

Artikeltitel Journal of Adolescent Health

Veröffentlichungsdatum des Artikels 17. Februar 2026


Übersetzt mithilfe von Le Chat

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