Sichtweisen #34: Das Glaubensbekenntnis der AfD

Warum befasst sich dieser pädagogische Blog mit der AfD?

Weil a) zahlreiche Aussagen von Parteifunktionären und das Programm dieser Partei darauf gerichtet sind, Veränderungen in den Unterrichtsinhalten und schulischen Umgangsformen zu bewirken und b) dies auch aus der Opposition heraus Wirkung zeigt, weil sich viele konservative Politiker:innen die Forderungen der AfD zu eigen machen.

[In der Absicht, diese Partei zu schwächen. Faktisch bewirken sie damit das Gegenteil, denn sie machen diese Forderungen durch die Übernahme erst hoffähig.]

(In Klammern die Zeilenangaben des Leitantrages, der auf dem Bundesparteitag diskutiert wurde)

Bekenntnis von AfD-Gläubigen

Ich glaube an eine ökosozialistische, ideologiebetriebene Klimapolitik und eine unwissenschaftliche Klima-Hysterie.

Die jahrzehntelange Fokussierung auf die ideologiegetriebene „Klimapolitik“ und die bevorzugte Behandlung der angeblich erneuerbaren Energien haben Deutschland in eine energiepolitisch prekäre Lage gebracht. Der von allen etablierten Parteien betriebene Ausstieg aus der Kern- und Kohleenergie hat diese Situation verschärft. Im Zuge der Russlandsanktionen ist die bezahlbare Energieversorgung Deutschlands zusätzlich erheblich gefährdet. Unser Land ist damit international nicht mehr wettbewerbsfähig. Während dies zu einer Deindustrialisierung und Verarmung der deutschen Bevölkerung führen wird, freuen sich die ökosozialistischen „Klimaschützer“ über sinkende CO₂-Emissionen. (446 – 454)

Der globale Flugverkehr ist von elementarer Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland und darf nicht kurzsichtig einer unwissenschaftlichen Klima-Hysterie geopfert werden. Deutschlands Flughäfen sind als Wirtschaftsfaktor zu stärken. (551 – 553)

Ich glaube an die Einschränkung meiner Rechte durch Klimafolgenforschung, Geschlechterforschung oder Pandemieforschung.

Staaten und nichtstaatliche Organisationen wirken darauf hin, auf Grundlage von einseitig bevorzugten naturwissenschaftlichen Theorien die Bürger- und Freiheitsrechte systematisch einzuschränken. Dazu zählen z.B. die Klimafolgenforschung, die Geschlechterforschung und die Pandemieforschung. (2386 – 2389)

Ich glaube an den „Great Reset“.

Die wegen der behaupteten „Klimakatastrophe“ bereits eingeleitete „Große Transformation“ („The Great Reset“) bedroht unsere Freiheit in erschreckendem Ausmaß. Die AfD lehnt dieses Ziel und den damit verbundenen Gesellschaftsumbau vehement ab. Dazu gehört auch der „Green Deal“ der EU, der die europäische Wirtschaft und somit unseren Wohlstand zerstört. (1526 – 1530)

Ich glaube an die Macht und Herrschaft einer links-grünen politischen Klasse, die mein Volk zerstört.

In unserem Land hat sich jedoch eine politische Klasse herausgebildet, die nicht nur den Umbau des Staates im Sinne ihrer linksgrünen Ideologie verfolgt, sondern gleichzeitig auch die Erhaltung ihrer Macht, ihres Status und ihres materiellen Wohlergehens anstrebt. (2376 – 2379)

Die Parteien sollen an der politischen Willensbildung des Volkes mitwirken (Art. 21, Abs. 1 GG), sie aber nicht beherrschen. In unserem Land hat sich jedoch eine politische Klasse herausgebildet, die nicht nur den Umbau des Staates im Sinne ihrer linksgrünen Ideologie verfolgt, sondern gleichzeitig auch die Erhaltung ihrer Macht, ihres Status und ihres materiellen Wohlergehens anstrebt. Sie zerstört die soziale und kulturelle Zukunft unseres Volkes, unsere Wirtschaft und damit unseren Wohlstand. Instrumente der Zerstörung sind Globalisierung, Kulturrelativismus, Diversität und vermeintliche „Gendergerechtigkeit“. Dazu nutzt sie die Schalthebel der staatlichen Macht, der politischen Bildung und ihres informationellen und medialen Einflusses auf die Bevölkerung. (2375 – 2384)

Ich glaube an die Entmachtung meines Staates durch UNO und WHO.

Supranationale Organisationen wie die UNO und die WHO sind zunehmend bestrebt, souveräne Staaten zu entmachten und auf dem Weg zu einer „Weltregierung“ nationalstaatliche Kompetenzen einzuschränken. (2395 – 2397)

Ich glaube an Manipulation durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Mit rund 9 Milliarden Gebührenaufkommen zuzüglich Werbeeinnahmen ist der deutsche öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht nur der teuerste der Welt, sondern er verfügt auch über ein Vielfaches an Finanz- und Personalressourcen aller privaten Medien insgesamt. Der strukturell, personell und finanziell eng mit den etablierten Parteien vernetzte Apparat nutzt diese Macht entgegen den Anforderungen des Medienstaatsvertrags gezielt zur Meinungsmache bis hin zur Manipulation. In seiner jetzigen Form ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht mehr zeitgemäß. Er muss grundlegend reformiert, verschlankt und entideologisiert werden. (3156 – 3163)

Ich glaube an die Einschränkung meiner freien Meinungsäußerung durch den Staat.

Das Internet muss als Ort der freien Meinungsäußerung erhalten bleiben. Staatliche Zensurvorschriften und staatlich aufgezwungene Abkommen mit privaten Unternehmen, die Zensurmaßnahmen durchführen, werden wir umgehend abschaffen. Selbst ernannte „Faktenprüfer“ und Meinungswächter dürfen keine staatliche Finanzierung erhalten. Wir lehnen die zunehmende Kontroll- und Verbotspolitik der Bundesregierung im Bereich der Medien und sozialen Netzwerke ab. Insbesondere darf es keine Zensur durch staatlich ernannte Berufsdenunzianten geben. Über Subventionen, Unternehmensbeteiligungen und regierungspolitische Werbefinanzierung übt die Regierung auch Einfluss auf private Medien aus. (2450 – 2459)

Ich glaube an die politische Instrumentalisierung von Justiz und Verfassungsschutz.

Die AfD will die Einflussnahme der politischen Parteien auf die Ernennung von Richtern und Staatsanwälten verhindern und so die Politisierung der Justiz beenden. (2533f)

Der behördlich organisierte Verfassungsschutz ist zum Regierungsschutz degeneriert und wird in seiner jetzigen Form seinen ursprünglichen Aufgaben nicht mehr gerecht. Er ist grundsätzlich zu reformieren. (2544 – 2546)

Ich glaube an eine aggressive, moralisierende Umdeutung der Geschichte.

Die deutsche Geschichte ist in ihrer Gänze zu würdigen. Die offizielle Erinnerungskultur darf sich nicht nur auf die Tiefpunkte unserer Geschichte konzentrieren, sie muss auch die Höhepunkte im Blick haben. Ein Volk ohne Nationalbewusstsein kann auf die Dauer nicht bestehen. Wir wenden uns gegen die zunehmend aggressiven Versuche einer ideologisch geprägten, moralisierenden Umdeutung der Geschichte, die sich an der Schleifung von Denkmälern und Umbenennung von Straßen festmacht. (3106 – 3112)

Ich glaube an einen Trans-Kult, Frühsexualisierung und das Ausspielen der Kinder und Jugendlichen gegen ihre Eltern.

Familien sind heute massiven Belastungen ausgesetzt. Durch Trans-Gender-Hype, Frühsexualisierung und ein als Kinderrechte-Aufklärung getarntes Ausspielen der Jugendlichen und Kinder gegen ihre Eltern wird der Zusammenhalt in den Familien gefährdet. (2642 – 2645)

Kinder und Jugendliche werden durch einen Trans-Kult in Kita, Schule, Medien, im Internet und durch Gleichaltrige manipuliert. Daraus kann eine falsche Wahrnehmung folgen. Vorschnelle Diagnosen führen dann zur Gabe von Hormonen wie Pubertätsblockern, die ein hohes Risiko für Herzinfarkt, Unfruchtbarkeit und Depression bis hin zum Selbstmord bergen. Zusätzlich können Stimmungsschwankungen, Essstörungen, Psychosen, eine verringerte Libido, Knochen- und Leberschäden und eine verkümmerte Gehirnentwicklung auftreten. Die Bewerbung und Verabreichung von Pubertätsblockern und Hormonen stellt eine Kindeswohlgefährdung dar. In der weiteren Folge kommt es als logische Konsequenz zur Einleitung einer Geschlechtsumwandlung und damit zu einer unumkehrbaren Verstümmelung von jungen Menschen. (2769 – 2778)

Ich glaube an ideologische sprachliche Verrenkungen.

Ideologische Verrenkungen wie die angeblich gendergerechte Sprache haben dagegen in Deutschland nichts verloren; ihr Gebrauch soll in öffentlichen Einrichtungen und staatlichen Stellen zur Wahrung einer ideologiefreien Verständigung untersagt werden. (3132 – 3134)

Ich glaube [immer noch 🙂 ] an die „Radwege in Peru“.

1513 Anstatt in die Infrastruktur des eigenen Landes zu investieren, wird Geld für ideologisch geprägte Klimaschutzprojekte wie Radwege in Peru ausgegeben, deren Umsetzung oft nicht überprüft wird. (1513 – 1516)

Die Förderung von fragwürdigen gender- und WOKE-ideologiebasierten Entwicklungsprojekten ist zu beenden. (1849f)

Ich glaube an die Ideologie der anderen.

Im Programmentwurf der AfD werden verschiedene Zustände oder Erscheinungen an 37 Stellen als „ideologisch“ oder „Ideologie“ bezeichnet.

Der Glaube an die Ideologie der anderen ist also der eigentliche Leitbegriff des Wahlprogrammes und Leitstern der Partei.

Das bedeutet auch: Der normale AfD-Anhänger sieht sich von Ideologie und Ideologen umstellt oder bedroht – sei es durch die Regierung, die EU, die WHO, die UNO, den ÖRR, die Wissenschaft, durch Lehrkräfte in den Schulen usw. Das wäre ja nur denkbar durch eine äußerst umfangreiche Absprache aller Beteiligten, eben einer Verschwörung zum „Great Reset“.

Das Wahlprogramm der AfD, bzw. der bisher vorliegende Entwurf, offenbart also an der Wurzel dieser Partei einen Verschwörungsglauben.

Dieser Glaube geht bei Einzelnen ins kultische. Dazu gäbe es viel zu sagen und zu schreiben: Über das Weltbild (alles ist schwarz oder weiß), über den geistigen Stillstand (keine Selbstkritik!) oder über Erlöserfiguren, die über alle Zweifel erhaben sind (Höcke, Weidel).

Welche Auswirkungen dieser Verschwörungsglaube auf die Schulen haben könnte, deutet sich bereits an:

3 comments On Sichtweisen #34: Das Glaubensbekenntnis der AfD

  • Ganz vielen Dank für die Zusammenfassung einer aufkeimenden, schrecklichen, manipulativen, weil täuschenden Sichtweise. Ich bin selbst Lehrer an der Montessori FOS München und es ist eines meiner Kernanliegen, immer wieder auf die Problematik von rechtem Gedankengut, aber vor allem einer „Pädagogik der Unterwerfung“ wie wir sie in weiten Teilen der Schullandschaft haben, zu verweisen.

    Denn ich bin überzeugt davon, dass die Grundkonzeption von Schule, autoritäres Denken nicht reduziert, sondern im Gegenteil mitproduziert. Sicher kann eine Montessori Schule z.B. mehr Selbstbestimmung von Schülern zulassen, aber der Lehrplan bleibt Lehrplan und die darauf basierende Abiprüfung bleibt eine vorgegebene starre Abiprüfung. Schüler:innen müssen sich anpassen. Das ist schlimm und alles andere als zeitgemäß!

  • Wenn Sie schreiben „Pädagogik der Unterwerfung“, kennen Sie dann Paulo Freire und die Ausführlichkeit, mit der ihn John Hattie zitiert? Hier unter Punkt 5.2: https://paedagokick.de/sichtweisen-24-welche-schule-will-john-hattie/

  • Vielen Dank für den Link und ja, ich habe mal Theologie studiert, da ist mir auch Paulo Freire begegnet, aber das ist schon lange her und nein ich wusste nicht, dass sogar Hattie, sich auf ihn beruft. Kennen Sie das Buch von Dr. Renz-Polster „Erziehung prägt politische Gesinnung“? Ich bin dabei eine Filmdoku zu produzieren, in der das Thema „Autokratismus“ aufgearbeitet wird. Wir können uns gerne auch privat austauschen, würde mich freuen.

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