Sichtweisen #80: Ideologische Kleinkriege

Man kann die an sich weltanschaulich neutrale Praxis und Methodik in den Klassenzimmern auch mit einer ideologisch gefärbten Brille betrachten und sich dann verkämpfen – auf Twitter und diversen anderen Foren. Steven Watson (University of Cambridge) und Naomi Barnes (Queensland University, Brisbane) haben auf diesem Gebiet ein paar Beobachtungen gemacht und raten dazu genauer hinzusehen. Die mit Hilfe von DeepL übersetzte Pressemitteilung erschien auf EurekAlert!.

facebook, twitter und co
Hier werden die Auseinandersetzungen geführt. Bild: pixabay.

Populismus und Kulturkampf

Eine neue Analyse der Bildungsdebatten in den sozialen Medien und in den traditionellen Medien legt nahe, dass der Bildungssektor zunehmend von Populismus und dem allgemeinen „Kulturkampf“ in den sozialen Medien beeinflusst wird.

Die Studie deutet auch darauf hin, dass die Art des Populismus, um die es hier geht, nicht ganz die gleiche ist wie die, die zur Erklärung von politischen Großereignissen wie dem „Brexit“ Großbritanniens aus der Europäischen Union oder der jüngsten Präsidentschaft Donald Trumps in den Vereinigten Staaten verwendet wird.

Stattdessen identifizieren die Forscher – von der University of Cambridge, Großbritannien, und der Queensland University of Technology, Australien – ein Phänomen, das als „Mikropopulismus“ bezeichnet wird: ein lokalisierter Populismus, der einen Aspekt der öffentlichen Dienstleistungen in den Mittelpunkt stellt, wie z. B. den Bildungsbereich. Mikropopulismus ist populistisch, argumentieren sie, in dem Sinne, dass er eine glühende Auseinandersetzung zwischen einem missachteten „Volk“ und einer ungerechten Elite zum Ausdruck bringt.

Das Papier von Dr. Steve Watson und Dr. Naomi Barnes skizziert, wie Think Tanks, neben anderen Organisationen, solche Kontroversen mit Hilfe neuer und alter Medien propagieren. Sie heben hervor, wie bestimmte Themen gezielt dazu genutzt werden, in den sozialen Medien erbitterte Auseinandersetzungen zwischen denjenigen, die traditionelle Ansichten über Bildung vertreten, und denjenigen, die progressiver sind, auszulösen.

Praktische Traditionalisten gegen akademische Elite?

„Traditionelle“ LehrerInnen argumentieren in diesem Zusammenhang, dass ihre Autorität im Klassenzimmer von einer größtenteils universitätsbasierten und ideologisch-progressiven „Elite“ untergraben wurde, die, wie sie behaupten, ihre institutionelle Macht genutzt hat, um sie zu zwingen, schülerzentrierte Lehrmethoden anzuwenden, die nicht durch wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt werden. Die polarisierte Debatte, die sich daraus ergibt, verschleiert die Komplexität realer Klassenzimmer, die in der Praxis weder rein traditionell, noch rein progressiv sein können.

Die Autoren argumentieren, dass „die Behauptung, dass Bildungsmikropopulismus in England und Australien im Ausland stattfindet, fast selbstverständlich ist“ und bieten eine theoretische Analyse, wie und warum dies geschieht. Als mögliche Beispiele führen sie zunehmend hitzige und feindselige Online-Auseinandersetzungen über Themen wie Lehrmethoden, Disziplin oder freie Meinungsäußerung auf dem Universitätscampus an. Viele dieser Auseinandersetzungen scheinen mit Denkfabriken oder anderen Gruppen, die ein Interesse an der Gestaltung der Politik haben, verbunden zu sein oder diese direkt zu involvieren. Das Papier fordert eine verstärkte Sammlung von Fakten, um die Bedingungen zu verstehen, die zu immer erbitterteren Debatten innerhalb der Bildungsgemeinschaft führen, und warnt davor, dass einige Interessengruppen mikropopulistische Taktiken anwenden, um die Politik zu beeinflussen.

virtueller Streit
Streit im virtuellen Raum. Bild: pixabay

Diese Auseinandersetzung erfordert mehr Aufmerksamkeit

Dr. Steve Watson, Dozent an der Fakultät für Erziehungswissenschaften der Universität Cambridge, sagte: „Wir haben ein Stadium erreicht, in dem es genügend Beweise gibt, die darauf hindeuten, dass dieses Thema mehr Analyse und Aufmerksamkeit erfordert, als es bisher erhalten hat. Es gibt eindeutig eine Beziehung zwischen Bildung, Politik, Think Tanks, Medien und Mikropopulismus – aber das Ausmaß und die Konsequenzen müssen noch vollständig ermittelt werden.“

Dr. Naomi Barnes von der Fakultät für Erziehungswissenschaften an der Queensland University of Technology sagte: „Eine Sorge ist, dass Lehrer und Pädagogen, die sich aktiv an diesen Online-Diskussionen beteiligen, derzeit möglicherweise nicht wissen, wie die Kontroverse aufrechterhalten wird und wie bittere Diskussionen viral gehen, um politische Ziele zu erreichen. Es besteht ein Bedarf, dies besser zu verstehen.“

Die Autoren argumentieren, dass Kontroversen in den Medien und auf sozialen Kanälen es Möchtegern-Reformern ermöglichen, Progressive in der Bildung (oft abgekürzt als „Progs“) als eine abgehobene Elite zu positionieren. Am offensichtlichsten scheint diese Vorstellung zu Michael Goves berüchtigter Dämonisierung progressiver „Bürokraten, Akademiker und Lehrergewerkschaften“ als „The Blob“ zu passen. Ein reformistischer Regierungsberater hat in ähnlicher Weise die Social-Media-„Trads“ dafür gelobt, dass sie „eine Reformation der Kirche der Bildung“ anstoßen.

Sie weisen auch darauf hin, dass diese reduzierte Version der Debatte nun viele der giftigsten Argumente über Bildung online definiert. Watson identifiziert insbesondere Twitter – vor allem den beliebten #EduTwitter – als Ort unangenehmer Auseinandersetzungen über Themen wie die #BanTheBooth-Debatte über Disziplin in Schulen oder die Verwendung des alfabetischen Prinzips in der Grundschulbildung.

In der Hochschulbildung dokumentieren die Forscher ein ähnliches Muster, bei dem wichtige Personen an Hochschulen als faul, nachlässig, distanziert und schwerfällig verteufelt werden. In Australien scheint dies parallel zu einem jüngsten Aufschwung der Bemühungen des rechtsgerichteten Institute of Public Affairs (IPA) und des Centre for Independent Studies (CIS) zu verlaufen, ihre politischen Argumente aktiv als „Forschungsergebnisse“ zu publizieren.

Das Papier hebt 10 aktuelle Beispiele für diese Aktivitäten hervor, die zu Schlagzeilen in den nationalen Medien führten wie: „Unsere Universitäten haben sich dem faulen Gruppendenken gebeugt“ und „Rettet die aufgeblähten Unis nicht“. Ähnlich provokante Artikel erscheinen zunehmend in den britischen Medien, die sich mit Themen wie der Redefreiheit auf dem Campus oder Behauptungen über die Unterwanderung durch ausländische Regierungen befassen.

Aggression in Texten
Da muss man genauer hinsehen. Bild: pixabay

Watson: Shitstorm und Löschungen auf Twitter

Watsons eigene Erfahrungen deuten darauf hin, dass einige der Online-Konfrontationen, wenn nicht absichtlich angezettelt, so doch mit Sicherheit seltsame Verhaltensweisen beinhalten. Letztes Jahr veröffentlichte er einen Beitrag, in dem er mögliche Hinweise auf mikropopulistische Strategien auf #EduTwitter aufzeigte. Innerhalb weniger Stunden provozierte dies mehrere wütende Reaktionen auf Twitter, die ihn beschuldigten, eine Verschwörungstheorie zu fabrizieren – obwohl viele Lehrer und Akademiker auch zustimmende Nachrichten posteten.

Das Ergebnis war, dass der Artikel auf Altmetric.com ungewöhnlich gut abschnitt: ein Tool, das die Beschäftigung mit wissenschaftlichen Inhalten im Internet verfolgt. Sobald dies offensichtlich wurde, hörten die Twitter-Attacken nicht nur auf, sondern verschwanden, wobei mehrere Kritiker ihre Beiträge löschten, als ob sie versuchten, die Popularität des Papiers zu unterdrücken. „Außergewöhnlich ist, dass das Papier durch die Gegenreaktion, die es auslöste, möglicherweise seine eigene Theorie bewiesen hat“, so Watson.

Die Autoren glauben, dass zumindest weitere Forschung nötig ist, um zu verstehen, wie die heutigen Bildungsdebatten so schismatisch geworden sind. Sie warnen, dass eine vernünftige Diskussion über die Zukunft der Bildung beeinträchtigt wird. „Wir würden empfehlen, eine Digital Citizenship Initiative für Bildungsexperten in Betracht zu ziehen, um dem entgegenzuwirken“, fügte Barnes hinzu.


Die Studie „Online educational populism and New Right 2.0 in Australia and England“ ist in der Fachzeitschrift „Globalisation, Societies and Education“ erschienen. DOI: 10.1080/14767724.2021.1882292

Übersetzt mit http://www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)

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