Sichtweisen #38: So einfach?

Ich frage mich, welche Art von Klarheit die Ausführungen der beiden Wissenschaftler Gottfried und Zierer schaffen.

Ein bisschen Klarheit…

… in Bezug auf die Studie von Professor Haag (sofern es diese ist, die hier gemeint ist), der sich für die Abschaffung von unangekündigte Leistungstests ausspricht:

„Die immer wieder zitierte Studie taugt nicht für eine derartige Reform, weil sie hinsichtlich des Forschungsdesigns diese Schlüsse nicht zulässt.“

Es werden zwar keine Details gegeben, aber der Bayerische Philologenverband hat in einer Pressemeldung eine begründete Kritik vorgetragen, die plausibel klingt und von Prof. Haag am besten selbst beantwortet werden sollte.

Klarheit über eine Ursachenkette?

Ich zitiere: „Kein Schüler ist bisher wegen Abfragen oder Exen in die Psychiatrie gekommen.“

Klar ist, dass Exen als alleinige Ursache von psychischen Problemen bis hin zur Notwendigkeit psychiatrischer Maßnahmen wohl kaum in Frage kommen. Der Satz tut allerdings so, als wäre dies die Behauptung der Protestierenden, was nicht der Fall ist. Er trägt also den Geruch eines Strohmann-Arguments an sich.

Es sollte aber doch deutlich sein, dass die durch diese Art von Leistungserhebung verursachten Verunsicherungen bei einzelnen (oder vielen?) Schüler:innen dazu beitragen können, dass sie aus der Bahn geraten. Und mehr wird von den Petenten nicht behauptet.

Klares Schwarz-Weiß-Denken

Inzwischen sollten doch so viele Diskussion geführt worden sein, dass dieser falsche Gegensatz nicht mehr als Argument angeführt werden kann: Leistung oder Kuschelpädagogik. Dieses Schwarz-Weiß-Denken offenbaren die Verfasser der Replik (und nicht nur sie):

„Unsere Gesellschaft ist im Kern eine Leistungsgesellschaft und es ist Aufgabe der Schule, Kinder und Jugendliche pädagogisch verantwortungsvoll in diese Welt einzuführen. Ein professioneller und pädagogisch sensibler Umgang mit Leistungserhebungen gewährleistet eine humane Lern- und Prüfungskultur, der eine Kuschelecken- und Weichspülpädagogik abträglich ist.“  Am Ende ist die Rede von Unterstützern, „denen es nur um bequeme Bildung ohne Anstrengung und Leistung geht.“

Diese polarisierenden Aussagen finde ich in Kommentarspalten verständlich, aber von Erziehungswissenschaftlern nicht akzeptabel.

Hat irgendjemand behauptet, Leistungsanforderungen in Schulen überhaupt zu vermeiden oder Leistungsüberprüfungen in Gänze abschaffen zu wollen?! Nein, aber das vorgetragene Argument tut so.

Es geht doch im Großen um eine Überprüfung der schulischen Formen von Leistungsfeststellung, die im Übrigen auch schon unsere Kultusministerin Frau Stolz in einer kompetent besetzten Arbeitsgruppe vornehmen wollte und für die sich auch die Philologen aussprechen. Und im Kleinen geht es um die Abschaffung einer überfallartigen Ausfragung mit Notenrelevanz, die so im Berufsalltag nun wirklich so gut wie gar nicht vorkommt.

Klarheit schaffen!

Wir können uns weiter streiten und unfreundliche Repliken schreiben. Das führt nicht weiter, deshalb folgender Vorschlag, gerade an die Wissenschaftler:

Es wird in Bayern eine wissenschaftliche Vergleichsstudie durchgeführt, die gymnasiale Schülergruppen beobachtet und evaluiert, von denen die einen mindestens ein Schuljahr lang keine unangekündigten Abfragen durchführen und die anderen der bisherigen Praxis folgen. Standards der Leistungserhebung und -bewertung müssen natürlich berücksichtigt werden. Danach können wir anhand der Ergebnisse weiter miteinander sprechen.

Das wäre übrigens auch mein Vorschlag für den bayerischen Petitionsausschuss.

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