Am Donnerstag, 3. Juli 2025 entscheidet der Bildungsausschuss des Bayerischen Landtags über die Petition zur Abschaffung unangekündigter Tests in Bayerns Schulen.
Die von der 17-jährigen Schülerin Amelie N. initiierte Petition „Schluss mit Abfragen und Exen!“ löste seit Juni 2024 eine breite landesweite Debatte aus. Gefordert wird ein Ende sogenannter Extemporalien (“Exen”) – unangekündigter Leistungsnachweise im Schulalltag, die viele Schüler:innen als unfair und belastend empfinden.
Die Petition erfährt breite Unterstützung aus Schülerschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Hinter der Forderung nach einer faireren Prüfungskultur stehen unter anderem der Landesschülerrat Bayern, die StadtschülerInnenvertretung München, der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), die GEW Bayern und der Bayerische Elternverband (BEV).
Auch das Forum Bildungspolitik in Bayern e. V. – ein Zusammenschluss von rund 50 Organisationen aus Bildung, Wissenschaft und Gesellschaft – unterstützt die Petition. Gemeinsam fordern sie eine Schule, in der junge Menschen sicher, fair und ohne Angst lernen können. Ihr gemeinsames Anliegen: Prüfungsformate, die pädagogisch sinnvoll, transparent und lernfördernd sind.
Mehr als 52.000 Unterschriften wurden am 8. April 2025 von Schüler:innen an die Vorsitzende des Bildungsausschusses, Dr. Ute Eiling-Hütig (CSU), übergeben. Die Entscheidung wird nun mit Spannung erwartet. Der Ausschuss kann unter mehreren Beschlussoptionen entscheiden – von einer “Zurückweisung wegen Unzulässigkeit” bis hin zur uneingeschränkten Annahme oder einer Erklärung durch die Staatsregierung.
„Jetzt muss die Politik liefern“ – Schüler:innen erwarten Weichenstellung für eine zeitgemäße Prüfungskultur
Amelie N., Schülerin, 17 Jahre: „Schülerinnen und Schüler in ganz Bayern schauen jetzt nach München. Die Entscheidung, unangekündigte Leistungsnachweise endlich abzuschaffen, ist längst überfällig. Wir engagieren uns seit Monaten, die Politik muss uns endlich ernst nehmen und der Petition stattgeben!”
Seit vielen Monaten sind Schüler:innen aktiv: Sie führten Gespräche mit Abgeordneten, beteiligten sich an Podiumsdiskussionen und organisierten Demonstrationen in München und Nürnberg unter dem Motto ‚Bayern legt los!’.
Bálint Kondor, Schüler, 19 Jahre: „An meiner Schule haben wir versucht, unangekündigte Tests und Exen abzuschaffen, doch ohne echte demokratische Mitbestimmung scheiterten diese Bemühungen. Deshalb kommt es jetzt auf die Politik an, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit unsere Forderungen aus der Petition endlich umgesetzt werden können. Nur so kann ein angstfreier und gerechter Schulalltag Wirklichkeit werden.“
Politische Unterstützung aus München und Nürnberg
Klare politische Rückendeckung bekommen die Schüler:innen aus der Landeshauptstadt München und aus Nürnberg. Die Städte können rechtlich allerdings nur Empfehlungen abgeben, denn auch für die städtischen Schulen gilt das BayEUG.
Dieter Reiter, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München, SPD sagte bei der Unterzeichnung der Petition: „Exen und alle unangekündigten Tests bringen unnötigen Druck und Prüfungsangst. Diese Form der Leistungsüberprüfung finde ich überholt und muss dringend überdacht werden. Und ich bin sicher, es gibt weitaus bessere und gerechtere Methoden, um Wissen zu vermitteln und abzurufen. Deshalb habe ich gern die Petition unterschrieben!“
Diese Form der Leistungsüberprüfung finde ich überholt und muss dringend überdacht werden.
Dieter Reiter, OB München
Dominik Krause, zweiter Bürgermeister der Landeshauptstadt München, Bündnis 90/Die Grünen: „Unangekündigte Exen und Abfragen sind für Schüler*innen vor allem ein riesiger Stressfaktor. Wir wollen aber, dass Schulen ein Ort sind, an dem Kinder und Jugendliche Freude am Lernen entwickeln. Ich unterstütze deshalb ausdrücklich die Petition der Schülerinnen und Schüler und halte es für richtig, künftig auf unangekündigte Tests zu verzichten.“
Verena Dietl, dritte Bürgermeisterin der Landeshauptstadt München, SPD:„Unangekündigte Leistungserhebungen mit ihren möglichen Begleiterscheinungen wie Angst, Stress oder sogar persönlicher Demütigung sind das Gegenteil dessen, was wir an unseren Schulen fördern: individuelle Stärke und Anerkennung der großen Vielfalt in der Schüler*innenschaft. Exen und Ausfragen gehören meiner Meinung nach abgeschafft.“






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