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Faktencheck #7: Welche Schule wollen die Eltern?

Auf die Eltern beruft man sich ja gerne einmal. Die Frage ist dann, wer wann von wem was gehört hat. Und jeder kennt in seinem Bekanntenkreis Eltern, die…

Findet man einigermaßen solide Forschungsergebnisse zu der Frage: Was würden die Eltern wollen, wenn man denn auf sie hörte?

Die Eltern wollen längeres gemeinsames Lernen

Sehen wir zum Einstieg eine Grafik ein, die Untersuchungsergebnisse von Killus und Tillmann zusammenfasst:

Die mit Abstand meisten Eltern sprechen sich für eine spätere Aufteilung der Kinder aus, bayerische Eltern sogar mit Nachdruck. Hier würden sogar noch mehr Eltern bis nach der 9. Klasse warten als schon in der 4. Jgst. aufteilen. Killus und Tillmann ziehen deshalb folgendes Fazit aus ihren Ergebnissen:

Die herrschende Praxis (Übergang nach der 4. Klasse) wird von drei Vierteln der Eltern abgelehnt. Eine deutliche Mehrheit von inzwischen 60% spricht sich für eine sechsjährige Grundschule aus, weitere 15% wollen den Übergang zeitlich noch weiter hinausschieben. Damit wird erneut deutlich, dass Elterninitiativen, die eine sechsjährige Grundschule verhindern (wollen), eine Minderheitenposition vertreten. (Killus und Tillmann 2012, S. 32)

Die Daten dieser Studien zeigen also, dass nur eine Minderheit der Eltern die jetzige Aufteilung nach der 4. Klasse für gut hält…
Merkwürdigerweise werden in der öffentlichen Diskussion um die Dauer der Grundschule nicht die Anhänger der vierjährigen, sondern der sechsjährigen Grundschule unter Legitimationsdruck gesetzt. Dabei gibt es keine triftigen Gründe für eine nur vierjährige Dauer der Grundschule und eine frühe Aufteilung, sondern nur gute Gründe dagegen… (Killus und Tillmann 2012, S. 176)

Aktuelle Auseinandersetzung in Sachsen

Dieser Tage soll im Dresdener Landtag ein neues Schulgesetz beschlossen werden. Der Erziehungswissenschaftler Wolfgang Melzer kritisiert, dass der mehrheitliche Willen der Eltern darin nicht berücksichtigt wird. Im Einzelnen wirft er den Entscheidern vor,

Fazit:

Man kann es wirklich so pauschal sagen: Die Eltern wollen es, und die Wissenschaft will es, das längere gemeinsame Lernen. Weltweit ist es das Standardmodell, deutschlandweit findet es immer mehr Zuspruch. Es ist die Zukunft.

Nachtrag zu Sachsen

In der Freien Presse vom 12.4.17 gibt es einen kurzen Abschnitt zu den Positionen, die sich in Sachsen gegenüber stehen:

Um die Gemeinschaftsschule wird ebenfalls keine Ruhe einziehen. Ihre Zulassung als zusätzliche Schulform in Sachsen hatte in den zehn Bürgerforen zum Schulgesetz Anfang 2016 eine große Rolle gespielt und war auch von Verbänden gefordert worden. Das Thema blockiert aber die CDU, die längeres gemeinsames Lernen bis zur siebten oder gar zehnten Klasse ablehnt. Die Linkspartei hatte im vorigen Jahr auf einem Parteitag beschlossen, dieses Thema in den Wahlkampf für die Landtagswahl 2019 mitzunehmen. Landesparteichef Rico Gebhardt will dafür eine Volksinitiative auslösen. Gerade erst hat er diese Absicht erneuert und ist aktuell auf der Suche nach Verbündeten wie dem Dresdner Verein „Gemeinsam länger lernen“.

Quellen
Für die Jako-o-Studie: Killus, D. & Tillmann, K.-J. (2012). Eltern ziehen Bilanz. Ein Trendbericht zu Schule und Bildungspolitik in Deutschland ; die 2. JAKO-O Bildungsstudie. Münster: Waxmann.

Für die Berichte zu Sachsen: 
http://www.news4teachers.de/2017/04/eltern-wollen-gemeinsames-lernen-nach-klasse-4-schwarz-rot-wills-nicht-forscher-kritisiert-neues-schulgesetz-chance-vertan/; 
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1047704.es-wird-stress-erzeugt.html
http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/SACHSEN/Das-neue-Schulgesetz-laesst-noch-viele-Fragen-offen-artikel9880306.php
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