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Sichtweisen #37: „Lehrer hört die Signale!“

„Eine baden-württembergische Grund- und Hauptschule im ländlichen Raum, ohne Perspektive, entwickelt sich zur Gemeinschaftsschule mit überaus erfolgreicher gymnasialer Oberstufe und zur zweifachen Preisträgerin des Deutschen Schulpreises. Der Schulleiter berichtet im Rückblick von den wichtigsten Impulsen, Etappen und Errungenschaften einer Schule, die den Unterricht abschaffte, um das selbstorganisierte Lernen in den Mittelpunkt zu stellen. Ein Lehrstück für Schulentwicklung und Lernkultur, das schon Schule gemacht hat.


Herrmann, Ulrich
„Lehrer hört die Signale“. Auf dem Weg zur Schul-Revolution? Lehren & Lernen 51 (2025) 3, S. 47-52


Professor Ulrich Herrmann beschreibt dabei einige Entwicklungsschritte, die Stefan Ruppaner, der ehemalige Schulleiter der Alemannenschule Wutöschingen, selbst durchlaufen musste, ehe er merkte, wie sehr sein eigenes pädagogisches Denken im Schulsystem gefangen war und in einem zähen Prozess unter tatkräftigster Mithilfe seines Gemeinderats und des Kollegiums eine Schule aufbauen konnte, die den Schüler:innen ebenso guttut wie den Lehrer:innen.

Bei dieser letzten Formulierung weiß ich aus Erfahrung, dass bei manchen Leser:innen sofort die Alarmglocken läuten: „KUSCHELPÄDAGOGIK!!! Deshalb der diskrete Hinweis auf den deutschen Schulpreis 2019 und auf Abiturleistungen der Schüler:innen von Wutöschingen, die besser sind als der Landesdurchschnitt. Wobei das keine Schule ist, die „den Rahm abschöpft“, sondern einfach alle Kinder des Ortes/Sprengels aufnimmt.

Jetzt die drei Links:

Da finden Sie den Aufsatz von Ulrich Herrmann.

Hier bespreche ich das Buch von Stefan Ruppaner.

Und hier wird die Schule vorgestellt.

Wer Stefan Ruppaner live erleben möchte – und der Mann ist wirklich ein Erlebnis – hat angesichts dieser Fachtagung dazu die Gelegenheit.


Notwendige Reformen der Schulverwaltung

Zeller, Norbert
Notwendige Reformen im Schulwesen und in der Schulverwaltung, Lehren & Lernen 51 (2025) 3, S. 10-14


Angesichts der Widerstände, die besonders von Realschulseite immer wieder der Gemeinschaftsschule entgegengebracht werden, ist mir dieses Zitat wichtig:

Ich erinnere mich noch genau, wie ein Leitender Schulamtsdirektor, selbst ehemaliger Realschullehrer, mit großem Engagement und Einfühlungsvermögen Realschullehrkräfte für die Arbeit an Gemeinschaftsschulen gewinnen konnte, indem er die Chancen und Möglichkeiten der Gemeinschaftsschule erlebbar beschrieb und Unterstützungsangebote bereitstellte und selbst vor Ort präsent war.

Norbert Zeller, S. 11

Forderungen an die Schulverwaltung der Zukunft

Aufgrund seiner Erfahrungen mit der teilweise sehr zähen Umsetzung des Längeren gemeinsamen Lernens fordert Norbert Zeller für die Schulverwaltung der Zukunft (hier abgekürzt wiedergegeben):

Eine effektive und wirksame staatliche Schulaufsicht ist zwingend notwendig für das Gelingen einer guten Schule und einer gerechten Bildung (vgl. Art. 11 LV BW). Schulaufsicht bedeutet nicht nur Dienst- und Fachaufsicht, sondern vor allem eine qualitativ hochwertige Beratung und Begleitung.

Um mehr Effizienz in der Schulverwaltung zu erreichen, ist eine Neustrukturierung erforderlich. Die Abteilungen 7 der vier Regierungspräsidien und die bisherigen 21 Staatlichen Schulämter werden zu zwölf Regionalen Schulämtern zusammengefasst. Diese sind zuständig für alle Schularten, grundsätzlich stufenbezogen. Dies schließt auch das berufliche Schulwesen mit ein. So werden Doppelstrukturen abgeschafft.

Auch im Kultusministerium muss die bisherige Referatsstruktur in der Abteilung 3 (allgemein bildende Schulen, Inklusion) reformiert und der neuen Struktur angepasst werden.

Die einzelne Schule als eigenständige Einheit steht im Mittelpunkt der Bildungspolitik. Schulen und Schulleitungen erhalten eine größere Selbstständigkeit, einhergehend mit mehr Verantwortung.

Unabdingbar ist eine sehr gute Ausbildung von Schulleitungen, denn es handelt sich um ein eigenständiges Berufsbild, das wenig mit dem einer Lehrkraft zu tun hat.

Grundsätzliche Forderungen

Daran schließt Norbert Zeller einige grundsätzliche und konkrete Forderungen für eine zukunftsfähige Bildung an.


Ideal wäre eine Schule für alle (vgl. Hattie, Schleicher u. v. a.), in der die Kinder gemeinsam und individuell bis zur neunten oder zehnten Klasse lernen und ihr Potenzial ausschöpfen können, so wie der Standard in den meisten Ländern auf der Welt ist.

Da eine Schule für alle in Baden-Württemberg (und Deutschland) in absehbarer Zeit nicht realisierbar ist, bleibt nur der Weg einer Zwei-Säulen-Struktur nach der Grundschule, mit einer Schulart A, die alle Abschlüsse anbietet, und einer Schulart B, in der nur auf gymnasialem Niveau gelernt wird, wobei beide Schularten inklusiv arbeiten.

Die Ausbildung der Lehrämter erfolgt in dualen Studiengängen, mit dem Vorteil, dass die Praxis und Theorie besser verknüpft und die Ausbildungszeiten deutlich verkürzt werden können. Ausgehend vom Zweifächerprinzip sollte die Möglichkeit bestehen, neben einem wissenschaftlichen Fach einen sonderpädagogischen Schwerpunkt zu wählen. Damit wäre die sonderpädagogische Expertise automatisch in allen Schularten verankert.

Hier der Link zum Aufsatz von Norbert Zeller, für diejenigen, die es genauer nachlesen wollen.

Und hier noch ein Link zu einem Beitrag, in dem sich Norbert Zeller mit dem Ausleseprinzip beschäftigt.

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