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Faktencheck #112: Hand oder Tastatur?

Bild: pixabay

Wir standen schon öfters vor dieser Frage. Hier ein kurzer…

Rückblick:

Schreiben von Hand umfasst wichtige Feedbackprozesse und entwickelt die Feinmotorik

Während des Schreibens von Hand erhält das Gehirn ständig Rückmeldungen über die Bewegung und die daraus entstandenen Formen, die weitere Anpassungen zur Folge haben – eine wichtige Feedbackschleife als Grundlage für Erinnerungsprozesse. Das Ganze schult auch die Feinmotorik. Das sind beides Prozesse und Gewinne, die man beim Tippen auf einer Tastatur nicht hat.

Weitere Einzelheiten in diesem Beitrag.

Mangen, A. & Balsvik, L. (2016). Pen or keyboard in beginning writing instruction? Some perspectives from embodied cognition. Trends in Neuroscience and Education 5 (3), 99–106. doi:10.1016/j.tine.2016.06.003

Schreiben von Hand auf Papier oder Tastatur schlägt Tippen auf Keyboard

Eine weitere Studie kam zu dem Ergebnis, dass das Schreiben von Hand auf Papier oder auf einem Tablet sich als für das geistige Verarbeiten der Inhalte gleich wirksam erwies. Das Tippen auf der Tastatur schnitt in allen Vergleichen schlechter ab. Genaueres hier.

Morehead, K., Dunlosky, J. & Rawson, K. A. (2019). How Much Mightier Is the Pen than the Keyboard for Note-Taking? A Replication and Extension of Mueller and Oppenheimer (2014). Educational Psychology Review 7, 1–28. doi:10.1007/s10648-019-09468-2

Schreiben von Hand unterstützt „echtes“ Lernen

Ein Versuch mit Erwachsenen zeigte, dass die Handschreibgruppe am Ende über mehr Fähigkeiten verfügte, die für das fachkundige Lesen und Rechtschreiben auf Erwachsenenniveau erforderlich sind. Dies könne damit zusammenhängen, dass die Handschrift die visuellen und auditiven Lektionen verstärke. Der Vorteil habe nichts mit der Schreibfertigkeit zu tun, sondern damit, dass der einfache Akt des Schreibens mit der Hand eine Wahrnehmungs- und Bewegungserfahrung biete, die das, was über die Buchstaben gelernt werde (ihre Formen, ihre Klänge und ihre motorischen Pläne), verbinde, was wiederum ein umfassenderes Wissen und ein vollständigeres, echtes Lernen schaffe. Und hier die Details.

Wiley, R., Rapp, B. (2021). The Effects of Handwriting Experience on Literacy Learning, Association for Psychological Science, Volume 32, Issue 7

Eine neue Untersuchung

van der Weel, F. R. R. & van der Meer, A. L. H. (2023). Handwriting but not typewriting leads to widespread brain connectivity: a high-density EEG study with implications for the classroom. Frontiers in psychology 14, 1219945. doi:10.3389/fpsyg.2023.1219945

Wer wurde wie untersucht?

Die Autor:innen zeichneten die elektrischen Gehirnaktivitäten von 36 Studierenden auf, während sie mit der Hand auf einem Tablet schrieben; dann verglichen sie dieselben Probant:innen beim Tippen auf einem Keyboard.

Ergebnis

Die Aufzeichnungen zeigten beim Schreiben mit der Hand wesentlich stärkere Vernetzungen in den Gehirnregionen, die gemeinhin mit der Bildung von Erinnerungen und dem Enkodieren neuer Informationen im Zusammenhang gesehen werden.

Dringend mehr Schreiben mit der Hand!

Die Verfasser:innen ziehen daraus den Schluss, dass die für das Handschreiben nötigen geistigen Prozesse stark genau solche Muster aufbauen, die für das Lernen förderlich sind. Sie drängen dementsprechend darauf, dass Kinder schon früh mit handschriftlichen Aktivitäten befasst werden, um im Gehirn für das Lernen günstige Voraussetzungen zu schaffen.

Daneben sollte man dennoch immer im Auge behalten, dass es in den Schulen die unterschiedlichsten Schreibanlässe und -aufgaben gibt und dass die Lehrer und Schüler darauf achten sollten, für welche dieser Aktivitäten es besser ist mit der Hand zu schreiben oder auf der Tastatur zu tippen. Allerdings geben sie für Letzteres keine Beispiele.

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