Faktencheck #71: Etikettierung bis in den Arbeitsmarkt hinein

Dass auch eine gute Absicht bei der Hilfeleistung dem eigentlichen Anliegen im Wege stehen kann, ist eine häufige Erfahrung. Jonna Blanck, Juniorprofessorin an der Humboldt-Universität Berlin, zeigt, dass sowohl Förderschulen als auch die Berufsberatung ihrem Klientel von „Lernbehinderten“ in der Regel keinen Gefallen tun. Hier einige Zitate aus dem Fazit ihrer Untersuchung. Blanck, J. M. (2020). Übergänge nach der Schule als „zweite Chance“? Eine quantitative und qualitative Analyse der Ausbildungschancen von Schülerinnen und Schülern aus Förderschulen „Lernen“ (Bildungssoziologische Beiträge, 1. Auflage). Weinheim: Juventa Verlag. Förderschulen sind ambivalente Institutionen Förderschulen stellen dabei „ambivalente Institutionen“ (Powell 2011, S.174) dar: Einerseits erhalten die Schülerinnen und Schüler an diesen zusätzliche Unterstützung, die ihnen erfolgreiches Lernen und darauf aufbauend die spätere Teilhabe am Arbeitsmarkt ermöglichen sollen (vgl. Hänsel 2003, S.593; Werning/Lütje-Klose 2003, S.26). Andererseits haben Untersuchungen der letzten Jahrzehnte gezeigt, dass Förderschulen die Benachteiligung der Jugendlichen eher nicht ausgleichen, sondern stattdessen sogar manifestieren und verstärken können (vgl. z. B. Wocken 2000). (Blanck 2020, S. 213) Ergebnis: Geringere Ausbildungschancen der Förderschüler im Vergleich zu Hauptschülern Die hier vorgestellten deskriptiven Analysen zeigen, dass Jugendliche von Förderschulen im Vergleich zu Hauptschülerinnen und -schülern mit maximal Hauptschulabschluss bei Verlassen der Schule in vielen der beschriebenen Merkmale eine eingeschränktere Agency und niedrigere Ressourcenausstattung sowie geringere … Faktencheck #71: Etikettierung bis in den Arbeitsmarkt hinein weiterlesen