Argumente #21: Erfolgsmodell Gemeinschaftsschule mit Oberhaus

Nachdem ich in diesem Blog schon zeigen konnte, dass die Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg einen ersten Durchlauf der Jahrgänge 5 bis 10 sehr erfolgreich gestalten konnten, wäre die nächste Entwicklungsstufe ein „Oberhaus“, also eine Sekundarstufe II mit den Jahrgängen 11 bis 12 oder 13. Dazu ein Bericht aus Schleswig-Holstein.

Es folgt ein Zitat aus LN-online vom 15.05.2019:

Es ist ein landesweiter Trend: In Schleswig-Holstein sind die Übergangsquoten an Gymnasien erstmalig rückläufig, vermeldet das Bildungsministerium. Stattdessen melden immer mehr Eltern ihre Kinder nach der vierjährigen Grundschulzeit bei Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe an. Besonders stark steigen die Anmeldezahlen dafür im Kreis Ostholstein. Das geht aus einer Landesstatistik der Bildungsministeriums hervor.

Mehr Anmeldungen an Gemeinschaftsschulen

An der Pönitzer Grund- und Gemeinschaftsschule werden im kommenden Schuljahr 106 neue Fünftklässler starten. „Wir mussten in diesem Jahr zum ersten Mal elf Ablehnungen aussprechen“, berichtet Schulleiter Peter Schultalbers.

In Ratekau habe es 100 Anmeldungen für die Oberstufe an der Gemeinschaftsschule gegeben, sagt Liane Laube, Schulleiterin der Cesar-Klein-Schule. Das sind zwölf mehr als noch im Vorjahr. „Wir sind voll ausgebucht“, sagt sie. Auch die Schulleiterin der Inselschule auf Fehmarn, Michaela Krohn, stellt einen Zuwachs für die Oberstufe fest: 122 Kinder starten im kommenden Schuljahr. „Unsere Kapazitäten sind komplett ausgelastet“, sagt Krohn.

Während im Kreis 2018 noch 196 Schüler nach der Grundschulzeit auf eine Gemeinschaftsschule mit Oberstufe wechselten, sind es zum kommenden Schuljahr laut Statistik 322. Das ist ein prozentualer Anstieg um 64, 3 Prozent. Bei den Gymnasien im Kreis zeichnet sich ein gegenläufiger Trend ab: 2018 gab es dort 649 Aufnahmen, 2019 sind es nur noch 571, also zwölf Prozent weniger als im Vorjahr.

Mehr Kinder entscheiden sich für Gemeinschaftsschule in Ostholstein

Der Hauptgrund für den rasanten Anstieg der Anmeldungen: Im Kreis gibt es bald eine neu eingerichtete Oberstufe an der Grund- und Gemeinschaftsschule in Pönitz – und damit mehr Abiturienten an Gemeinschaftsschulen. Bisher gab es diese Möglichkeit in Ostholstein nur an der Cesar-Klein-Schule in Ratekau und an der Inselschule Fehmarn.

Im Kreis Ostholstein gibt es ab 2020 drei Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe. Durch das zweigliedrige Schulsystem können Schüler in Schleswig-Holstein, die Abitur machen wollen, zwischen Gymnasium und Gemeinschaftsschule wählen.

Aktuell befänden sich die Gemeinde Scharbeutz als Schulträger und die Schule in Pönitz mitten in den Vorbereitungen für den neuen Oberstufen-Zweig, sagt Schulleiter Peter Schultalbers (62). Damit alles klappt, müsse das Schulgebäude um neue Klassen- und Fachräume erweitert werden, aber auch Verwaltung, Mensa, Küche und Offene Ganztagsschule benötigen mehr Fläche. Mehr Lehrkräfte und die inhaltlichen Vorbereitungen der Schule für den Start der Oberstufe sind weitere Arbeitsfelder.

Vorbereitungen auf Hochtouren: Oberstufe in Pönitz kommt 2020

„Wir sind mit den Planungen aber gut davor“, sagt der Schulleiter. Inzwischen sei er wesentlich entspannter als noch Anfang des Jahres (die LN berichteten). Er rechnet für 2020 mit den ersten Oberstufen-Schülern in Pönitz. Rund 50 Plätze soll es geben. Schon für 2019 werde die Schule aber mit einer Oberstufe im Entstehen beim Ministerium gelistet – und das Interesse der Eltern an einer Grund- und Gemeinschaftsschule mit Oberstufe sei gestiegen, erklärt Schultalbers.

Manfred Meyer, Schulrat im Kreis Ostholstein, vermutet, dass der Trend zu mehr Anmeldungen an Gemeinschaftsschulen auch mit der intensiveren Beratung der Eltern in diesem Jahr zusammenhängt. „Offensichtlich folgen viele Eltern den Schulart-Empfehlungen der Grundschulen“, sagt er. Die erst seit August 2018 eingeführten schriftlichen Empfehlungen seien zwar nicht verbindlich. Sie hätten Eltern aber nachdenklicher gemacht, sagt Meyer in Verbindung mit den neuen Anmeldezahlen.

Schulrat glaubt: Eltern orientieren sich an Schulart-Empfehlung

Dass Eltern die Schulart-Empfehlung der Lehrer anscheinend ernst nehmen, sei eine positive Entwicklung. „In der Vergangenheit mussten häufig rund 100 Schüler in Ostholstein nach kurzer Zeit das Gymnasium wieder verlassen“, berichtet Meyer. Das Stunden-Angebot an Gemeinschaftsschulen sei anders als am Gymnasium. Es werde offener gelernt und den Schülern würden viele Entwicklungsmöglichkeiten gegeben, sagt der Schulrat.

„Gymnasien haben einen anderen Bildungsauftrag und bereiten von vornherein auf das Abitur vor“, betont Meyer, „folglich sind die Anforderungen dort höher.“ Mit den verschiedenen Schulformen sei zugleich gewährleistet, dass der Weg nach oben für die Schüler nie verschlossen sei.

Das Gymnasium sei etwas für leistungsstarke und selbstbewusste Kinder, die später ein Studium anstreben, sagt auch Schulleiter Schultalbers. Ist ein Schüler mit der Schulform überfordert, könne das krank machen und Schulängste hervorrufen. „Das sehen die Eltern auch“, sagt Schultalbers. An einer Gemeinschaftsschule mit Oberstufen-Option sei grundsätzlich ein Studium nach der Schulzeit möglich, aber auch eine Ausbildung zum Handwerker oder in der Verwaltung.

Saskia Bücker

In diesem Blog bereits erschienen:

Argumente #16: Gemeinschaftsschule ist „Schule des Jahres“

Argumente #18: 85 Prozent für längeres gemeinsames Lernen in Bayern

Argumente #19: GMS-Abschlüsse im Vergleich

Argumente #20: Na, geht doch!

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s