Initiative #28: Wissenschaftler: „Die Schüler haben Recht!“

„Die Anliegen der jungen Klimaprotestierer sind berechtigt und werden gestützt von Ergebnissen der Spitzenwissenschaft.“ Dies ist die Kernaussage eines Appells zahlreicher Wissenschaftler, der vor kurzem im Fachblatt Science veröffentlicht wurde. Hier ein paar Einzelheiten.

Gregor Hagedorn et al. (2019). Concerns of young protesters are justified. Science 12 Apr 2019: Vol. 364, Issue 6436, pp. 139-140.DOI: 10.1126/science.aax3807

In ihrem als Brief gekennzeichneten Beitrag rufen Hagedorn (Museum für Naturkunde, Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung Berlin) und 20 weitere Wissenschaftler aus Europa und den USA dazu auf, die Klimaproteste der Jugendlichen zu unterstützen. Diesem Aufruf liegt eine mehr als 50-seitige Liste von Unterzeichnern bei, die sich mit ihren Namen und ihrer Expertise hinter dieses Anliegen stellen. Hier einige Auszüge aus dem Appell [Hervorhebungen von mir]:

Das Anliegen der Proteste ist gerechtfertigt, die bisherigen Maßnahmen sind zutiefst unzureichend!

The world’s youth have begun to persistently demonstrate for the protection of the climate and other foundations of human well-being. As scientists and scholars who have recently initiated similar letters of support in our countries, we call for our colleagues across all disciplines and from the entire world to support these young climate protesters. We declare: Their concerns are justified and supported by the best available science. The current measures for protecting the climate and biosphere are deeply inadequate.

Entscheidend ist, dass die Industriestaaten jetzt mit den Maßnahmen beginnen!

It is critical to immediately begin a rapid reduction in CO2 and other greenhouse gas emissions. The degree of climate crisis that humanity will experience in the future will be determined by our cumulative emissions; rapid reduction now will limit the damage. […] Considering that industrialized countries produced more of and benefited more from previous emissions, they have an ethical responsibility to achieve this transition more quickly than the world as a whole.

Es gibt Lösungen, und es darf nicht länger gewartet werden!

Many social, technological, and nature-based solutions already exist. The young protesters rightfully demand that these solutions be used to achieve a sustainable society. Without bold and focused action, their future is in critical danger. There is no time to wait until they are in power.

Es geht nicht ohne erhebliche Einschnitte!

Politicians have the huge responsibility of creating the necessary framework conditions in a timely manner. Policies are needed to make climate-friendly and sustainable action simple and cost-effective and make climate-damaging action unattractive and expensive. Examples include effective CO2 prices and regulations; cessation of subsidies for climate-damaging actions and products; efficiency standards; social innovations; and massive, directed investment in solutions such as renewable energy, cross-sector electrification, public transport infrastructure, and demand reduction. A socially fair distribution of the costs and benefits of climate action will require deliberate attention, but it is both possible and essential.

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Es bleibt nicht mehr viel Zeit zu handeln. (c) Pixabay

Die Wissenschaftler unterstützen das Verlangen nach raschem und tatkräftigem Handeln

The enormous grassroots mobilization of the youth climate movement—including Fridays for Future, School (or Youth) Strike 4 Climate, Youth for (or 4) Climate, and Youth Climate Strike —shows that young people understand the situation. We approve and support their demand for rapid and forceful action. We see it as our social, ethical, and scholarly responsibility to state in no uncertain terms: Only if humanity acts quickly and resolutely can we limit global warming, halt the ongoing mass extinction of animal and plant species, and preserve the natural basis for the food supply and well-being of present and future generations. This is what the young people want to achieve. They deserve our respect and full support.

Obwohl der Vorsitzende der Freien Demokraten in Deutschland es nicht verdient, allzu oft erwähnt zu werden, sei darauf hingewiesen, dass sein Gezwitschere, die Klimaschutz-Angelegenheiten sei doch „eine Sache für Profis„, ein vieltausendfaches Echo von eben diesen gefunden hat. Die Scientists4future stehen mittlerweile bei 26 800 Unterschriften. Hinzu kommen nun noch die nicht Gezählten des obigen Appells.

Damit dürfte auch deutlich geworden sein, dass die Schülerinnen und Schüler, die auf die Straße gehen, wissenschaftlich betrachtet, jedes Recht dazu haben. Das betrifft nicht nur die Sache, sondern eben auch die Dringlichkeit ihres Anliegens. Diese Not rechtfertigt in meinen Augen auch, dass die Schüler/innen zur Unterrichtszeit streiken. Letztlich bestätigen die Wissenschaftler die Aussage Greta Thunbergs:

„Ich möchte, dass ihr in Panik geratet. Ihr sollt die Angst spüren, die ich jeden Tag spüre. Und ich möchte, dass ihr handelt. Dass ihr so handelt wie in einer Krise. Ich möchte, dass ihr handelt, als wenn unser Haus brennt. Denn es brennt bereits.“

Weitere Beiträge zum Thema:

Sichtweisen #48: „Gebt den Schülern Verweise!“

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Sichtweisen #43: Schülerproteste als „hybride Kriegsführung“?!

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