Fail #30: Neues zu Max und Murat

Im vorigen Blog habe ich eine Untersuchung vorgestellt, die nachwies, dass sich Lehrkräfte allein von den Namen auf einer Deutscharbeit dazu verleiten ließen, dem scheinbaren Migranten „Murat“ schlechtere Noten zu geben als dem deutschen Schüler „Max“. Hier einige Selbstauskünfte von Betroffenen, die einen erschrecken lassen ob der geradlinigen Voreingenommenheit – um nicht zu sagen: Dummheit – der Lehrkräfte!

Aus der Süddeutschen Zeitung, die auch aus der o.g. Studie zitiert, vom 02.08.18:

In Deutsch bitte nicht besser als die Deutschen!

Dejan Mihajlović zum Beispiel schrieb: „In der Grundschule erhielt ich im Zeugnis in Deutsch eine 2, obwohl alle meine Leistungen zuvor mit 1 bewertet wurden. Der Lehrer fragte meine Mutter und mich, wie sich wohl deutsche Mitschüler fühlen würden, wenn ein Ausländer in D ne bessere Note als sie hätte. Hat mich geprägt.“

Auf der Website watson.de werden Tweets zitiert:

Empfehlung: Sonderschule. Dann: Master

Empfehlung: nicht Gymnasium. Dann: 1er Abi

Noten absichtlich runtergesetzt

Die Website watsons.de hängt dann gleich noch einige Zitate der OECD und des Bildungsberichts an, die auch in diesem Blog bereits angeführt wurden:

Chancengleichheit, das war mal eine Forderung an das deutsche Bildungssystem. Doch das Versagen hat längst System. Die Wirtschaftsorganisation OECD kam schon im Jahr 2000 zu dem Schluss.

„In keinem OECD-Land hängt der Bildungserfolg so stark von der sozialen Herkunft ab wie in Deutschland.“

OECD-Bildungsbericht 2000

Getan hat sich wenig. Das Bundesbildungsministerium und die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) merkten in ihrem Bildungsbericht 2016 in nüchterner Sprache Folgendes an:

  • Kinder mit Migrationshintergrund haben es schwerer:

„Kinder aus Haushalten mit hohem Bildungsstand besuchen häufiger allgemeinbildende Schulen (76 %), die zu einer Hochschulreife führen, als Kinder aus Haushalten mit niedrigerem Bildungsstand (54 %) . Auch besuchen 16­ bis unter 30-Jährige mit Migrationshintergrund seltener eine Hochschule (15 %) als Gleichaltrige ohne Migrationshintergrund (18 %) .

Bildungsbericht 2016

  • Auch die soziale Herkunft benachteiligt die Chancen der Heranwachsenden:

„Hinsichtlich sozialstruktureller und leistungsbezogener Merkmale zeigt sich zwischen den Schularten sowie zwischen den Einzelschulen eine sehr unterschiedliche Schülerzusammensetzung . Während ein Großteil der Hauptschulen mit einer Schülerschaft mit niedrigem Sozialstatus, hohem Migrationsanteil und geringem Leistungsniveau konfrontiert ist, zeigt sich an Gymnasien ein entgegengesetztes Muster.“ Bildungsbericht 2016

Vergleiche dazu:

https://paedagokick.de/2017/04/02/faktencheck-6-segregation-in-der-bildung/

https://paedagokick.de/2017/04/07/kmk-laengeres-gemeinsames-lernen-gewinnt-an-bedeutung/

https://paedagokick.de/2017/04/21/fail-9-durchlaessigkeit/

https://paedagokick.de/2017/10/28/faktencheck-21-soziale-schlagseite-bei-den-noten/

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s