Faktencheck #30: Kinderarmut verhindert Bildungschancen

Es ist ja nicht so, dass man um diese Zusammenhänge nicht schon lange wüsste: Der Schulerfolg eines Kindes wird durch seine soziale Herkunft maßgeblich vorbestimmt. Dass dabei unser selektives Schulsystem eine unrühmliche Rolle spielt, ist ebenfalls ausführlich nachgewiesen. Allerdings wird derlei Kritik von interessierten Kreisen gern als „ideologisch“ gebranntmarkt und beiseite gewischt. Lassen wir also die Kinderkommission des Deutschen Bundestages zu Wort kommen, der man ja eine gewisse Ideologiefreiheit unterstellen darf. 

Bildungschancen und Kinderarmut

Besonders deutlich wird die Benachteiligung armer und armutsgefährdeter Kinder im Bildungsbereich. Dass es einen starken Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft eines Kindes und seinem Bildungserfolg gibt, ist zwar seit Langem bekannt, doch im Wesentlichen hat sich gerade in den letzten Jahren wenig daran geändert.

Die Selektionsprozesse des Bildungswesens beginnen dabei nicht erst in der Schule, sondern schon im vorschulischen Bereich. Die Teilhabe von Kindern aus sozial benachteiligten Haushalten an institutionellen Angeboten der frühkindlichen Betreuung und Bildung, beispielsweise in Kindertageseinrichtungen, ist insgesamt seltener und im zeitlichen Umfang geringer. Auch ihre Teilhabe an sonstigen Bildungsangeboten, beispielsweise im Musik-, Sport- oder auch Sprachunterricht, ist deutlich geringer. Das hat vielfältige Auswirkungen. So verfügen sozial benachteiligte Kinder häufig über einen deutlich geringeren Wortschatz als andere gleichaltrige Kinder.

Kinder, die in Armut aufwachsen oder von Armut gefährdet sind, erhalten von Anfang an eine schlechtere Förderung und sind in der Kompetenzentwicklung benachteiligt. Dies wirkt sich entsprechend auf die Schullaufbahn der Kinder aus. So schlägt sich die geringere Partizipation an frühkindlicher Bildung auf die Leistungen in der Grundschule nieder. Zudem werden Kinder aus sozial benachteiligten Milieus bei der Notenvergabe häufig bei gleicher Leistung schlechter benotet. Beides führt dazu, dass Kindern oft die Möglichkeit auf eine höhere Schulbildung verwehrt bleibt.

Problematisch ist die frühe Differenzierung in den deutschen Schulsystemen. Je nach Bundesland geschieht der Übergang zur Sekundarschule nach der vierten oder der sechsten Jahrgangsstufe. Die meisten Bildungsforscher_innen sind der Auffassung, dass eine solch frühe Differenzierung die Entstehung sozialer Ungleichheiten im Bildungswesen besonders befördert. (Kommission zur Wahrnehmung der Belange der Kinder 2017, S. 4–5, Hervorhebungen von mir)

Quelle:
Kommission zur Wahrnehmung der Belange der Kinder. (2017, 09. März). Stellungnahme der Kommission zur Wahrnehmung der Belange der Kinder (Kinderkommission) des Deutschen Bundestages zum Thema „Kinderarmut“ (Kommissionsdrucksache 18/18). Berlin: Deutscher Bundestag.

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