Montessori erhöht Leistung und Chancengleichheit

Eine Längsschnittuntersuchung in US-amerikanischen Vorschuleinrichtungen zeigt, dass sich die Kinder in Montessorischulen als leistungsstärker, sozial verständiger und als lernfreudiger erwiesen als in den Vergleichsschulen. Außerdem zeigte sich, dass innerhalb von drei Jahren die Herkunftseffekte weitestgehend ausgeglichen werden konnten.

Quelle:

Lillard, A. S., Heise, M. J., Richey, E. M., Tong, X., Hart, A. & Bray, P. M. (2017). Montessori Preschool Elevates and Equalizes Child Outcomes: A Longitudinal Study. Frontiers in Psychology 8, 1783. doi:10.3389/fpsyg.2017.01783

Beitragsbild: Credit: Laura Joyce-Hubbard, Courtesy of Forest Bluff School

Studiendesign:

Nach einem Zufallsverfahren wurden Bewerber für zwei öffentliche Montessorischulen in einer durch Armut gekennzeichneten Stadt in den USA ausgewählt. Die 70 ausgelosten Dreijährigen wurden über einen Zeitraum von drei Jahren viermal getestet und mit den 71 Kindern verglichen, die das Los den anderen teils privaten, teils staatlichen Schulen zugewiesen hat.  Die Kinder kamen aus ethnisch und sozio-ökonomisch unterschiedlichen Familien, die eine Einkommensspanne von $0 bis $200 000 jährlich repräsentierten.

Einzelheiten:

Der oben verlinkte Text aus „Frontiers in Psychology“ beschreibt mit welchen Testverfahren die Lernfortschritte (Woodcock-Johnson IIIR), die soziale Entwicklung (Theory of Mind scale, Wellman & Liu; Rubin’s Social Problem-Solving Test) und die „exekutiven Funktionen“ wie Selbstregulierung untersucht wurden.

Im Vergleich zu traditionellen Lernfortschrittsuntersuchungen wurden folgende neuen Aspekte getestet:

Mastery orientation: 

Glaubt ein Kind daran, dass es auch durch Fehler hindurch Herausforderungen bewältigen und sich durch Anstrengungen verbessern kann? Den Kontrast dazu bildet die performance orientation, bei der es darum geht gut auszusehen und die auf der Idee beruht, dass Intelligenz und Begabung festgelegt sind. Mastery orientation wird als ein guter Prädiktor für späteren Schulerfolg angesehen.

Schulfreude:

Wenn man die Kinder früh mit Lerninhalten konfrontiert, kann das zur Folge haben, dass die Kinder keine Freude mehr am Lernen finden. Auch Lernfreude gilt als ein Prädiktor für späteren Lernerfolg.

Kreativität:

Zur Messung der Kreativität wurde der „Alternate uses task“ angewendet, bei dem es darum geht, beispielsweise für Büroklammern oder Handtücher so viele Anwendungen wie möglich zu finden. In diesem Zusammenhang weisen die Autoren der Studie auf besonders kreative Menschen hin, die alle eine Montessori-Vorschule durchlaufen haben: die beiden Google-Entwickler Sergei Brin and Larry Page, den Gründer von Amazon Jeff Bezos, den Schöpfer von Wikipedia Jimmy Wales und den Designer von Sim City Will Wright.

Zusammenfassung:

In sum, the study measured children’s academic achievement, theory of mind and social skills, executive function, mastery orientation, relative enjoyment of school, and creativity at four time points to determine whether Montessori education would have a significant influence on those important constructs. (Lillard et al. 2017, S. 1788)

Die Studie untersuchte weiterhin die Frage, ob sich auch in der Montessorischule das Einkommen der Familie als ein stabiler Prädiktor für späteren Schulerfolg erweist: sozio-ökonomischer Status und Leistungsentwicklung seien bekanntermaßen hoch korreliert.

Ergebnisse

Der Vergleich der Lernfortschritte (academic achievement) zeigt ein deutliches Auseinandergehen der Leistungsschere zugunsten der Montessorikinder.

Monte_academic_achiev

Bessere soziale Wahrnehmung:

These results show that social cognition developed more rapidly in children attending Montessori schools. (Lillard et al. 2017, S. 1798)

Soziale Problemlösung,  exekutive Funktionen und Kreativität: 

Keine signifikanten Unterschiede zwischen Montessori- und Kontrollgruppe.

Erhöhte mastery orientation:

Thus, children who were randomly assigned to a Montessori program were more likely to have a growth mindset by the latter half of their preschool years. Children’s explanations for their choices were consistent with the underlying orientation. Easy puzzle choosers said things like, “Because it’s easier,” whereas difficult puzzle choosers said things like, “Because I think I can do it.” (Lillard et al. 2017, S. 1799)

Freude an der Schule:

Die Montessori-Vorschüler hatten mehr Freude an schulischen Aktivitäten, was zeigt, dass sich ihre Lernfortschritte nicht negativ auf die Motivation auswirkten:

An ANOVA [Varianzanalyse, d.V.] showed that the Montessori children were relatively more positive about school-related activities than were the control children… This suggests that the Montessori children’s achievement gains were not at the expense of their enjoying school. (Lillard et al. 2017, S. 1799)

Zusammenhang von Einkommen und Schulerfolg

Dieses Diagramm zeigt zweierlei: Zum einen, dass die Montessorikinder sowohl bei den einkommensstarken (high) als auch den einkommensschwachen Familien bessere Leistungen zeigten. Und zum anderen, dass sich die Leistungslinien zwischen den Kindern aus unterschiedlichen sozioökonomischen Hintergründen bei den Montessorikindern zunächst parallel entwickelten und am Ende aufeinander zuliefen, bei der Kontrollgruppe dagegen zum letzten Messzeitpunkt sich zu öffnen begannen.

Monte_Einkommensgruppen

Wo liegen die Ursachen für den Erfolg der Montessori-Vorschulen?

Die Verfasser schlagen folgende Ursachen vor, ohne einen direkten Nachweis zu führen:

  • das kindgemäße und hoch entwickelte Montessorimaterial;
  • die innere Ordnung und der stringente Zusammenhang dieser Materialien;
  • die Jahrgangsmischung, die Folgen haben könnte für die Anstrengungsbereitschaft und die Konfliktfähigkeit;
  • die vielen Wiederholungsmöglichkeiten von Übungen bis zur Meisterung;
  • die Möglichkeit, über die eigene Lernarbeit mit zu entscheiden, könnte Folgen haben für die anhaltende Motivation und Freude;
  • vielleicht sind es auch die Lehrer, die eine freiwillige (AMI-) Zusatzausbildung durchlaufen haben, und damit nicht nur Engagement gezeigt, sondern auch ihre Fähigkeiten verbessert haben könnten.

Finale Zusammenfassung

Bearing these limitations in mind, the present study offers evidence that high fidelity Montessori preschool programs are more effective than other business-as-usual school programs at elevating the performance of all children, while also equalizing outcomes for subgroups of children who typically have worse outcomes. First, Montessori programs reduced the income achievement gap, raising achievement of lower income children well beyond the levels achieved by the lower income waitlisted controls. In addition, Montessori programs appeared to work as well for children who were lower in executive function at the outset as for children who were higher in executive function at the outset. Since preschool achievement predicts later achievement (Duncan et al., 2007), these benefits could feasibly extend upward, but whether they do so remains to be tested. Importantly these gains at preschool were not at the expense of “soft skills” that are the most important predictors of life outcomes (Heckman and Kautz, 2012). (Lillard et al. 2017, S. 1809)

 

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