Sichtweisen #10: Jobgarantie mit Gschmäckle

Dieser Leserbrief ist im September 2017 in der Süddeutschen Zeitung erschienen:

Lehrer-Anstellungschancen

Kritik an Minister Spaenle und seiner Personalpolitik

„Unverhoffte Jobgarantie“ (2./3. September):

Wie ich der SZ entnehme, hat Ministerpräsident Horst Seehofer seinem Kultusminister Ludwig Spaenle eine Jobgarantie auch noch für die nächste Legislaturperiode geschenkt. Jobgarantien erhalten im landläufigen Sinn Menschen, die entweder aus selbst- oder fremdverschuldeten Gründen um ihren Arbeitsplatz bangen müssen und oftmals in prekären finanziellen Verhältnissen leben. Beispielsweise die oft zitierten „Schlecker-Frauen“, Kohlekumpel – oder auch Junglehrer in Bayern.

Ich fordere daher im Sinne dieser Definition nicht eine Jobgarantie für einen in seinem Ressort völlig erfolglosen älteren Herrn mit dickem Ministergehalt und Dienstwagen, sondern für meinen Sohn. Er hat im Gegensatz zum Herrn Minister eine berufliche Qualifikation als Gymnasiallehrer mit Einserexamen. Nachdem ihn der Staat vor seinem Studium noch angeworben hatte („Bayern braucht gute Lehrer“), hat derselbe Staat sich mittlerweile anders entschieden (dank der begnadeten Planung des Herrn Ministers) und behandelt Junglehrer jetzt wie lästige Fliegen.

Mein Sohn ist 32 Jahre alt und fährt in seinem klapprigen Gebrauchtwagen täglich weit entfernte Schulen ab, um irgendwie über die Runden zu kommen. Die jeweiligen staatlichen Schulen bezahlen nämlich noch nicht einmal die Ferien und setzen ihn da ein, wo gerade mal Bedarf anfällt. Die politischen Sonntagssprüche von der hehren Bedeutung der Bildung, in die massiv investiert werden muss, die Zukunft unserer Kinder, blah… (Horst Seehofer), klingen wie hohles Pathos, wenn man einerseits die klinkenputzende, demütigende Wirklichkeit der Junglehrer in Bayern sieht und andererseits die hochfahrende, arrogante Art, wie diese hochmotivierten jungen Leute von der Kultusbürokratie und deren Minister behandelt werden.

Zahllose Eltern, Schüler, Lehrer und Referendare in Bayern sehnen den Tag herbei, an dem der Verursacher der katastrophalsten Schulpolitik seit Kriegsende, der sich auch noch in der sogenannten bayerischen „Familienaffaire“ viele hunderttausend Euro auf Kosten der Steuerzahler selbst genehmigte, endlich seinen Hut nimmt.

Diese Jobgarantie für Spaenle, Herr Seehofer, ist ein schlechter Witz und kann nicht Ihr Ernst sein. Günther Neumayer, Polling

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