Faktencheck #15: Menschenbild und Schulstruktur

Wenn wir Menschen neu kennen lernen, dann versuchen wir sie anhand der teilweise unbewussten Kriterien zu verstehen, die wir mit uns tragen. Das geht auch Lehrkräften im Umgang mit Schülern so.

Die im gegliederten Schulsystem erzogenen und ausgebildeten Lehrkräfte haben diese Gliederung häufig so verinnerlicht, dass sie auch die Schüler in den Kategorien Haupt-/Mittelschüler, Realschüler und Gymnasiast wahrnehmen.

Dies geschieht häufig unreflektiert und hat den Pygmalion-Effekt zur Folge: Schüler werden entsprechend der Erwartungen von der Lehrkraft behandelt, übernehmen diese Erwartungen und verhalten sich dieser Erwartung gemäß.

Dadurch, dass sie erwartungsgemäße Leistungen zeigen, bestätigen sie das Bild, das die Lehrkraft an sie herangetragen hat.

Damit bestätigt sich wiederum das Weltbild der Lehrkraft, das eine Passung von Schulstruktur und Schüler(stereo)typ sieht. Und der Prozess beginnt sich selbst verstärkend von vorn.

Bedenkliche Beispiele dieser Stereotypen werden im neuen bayerischen LehrplanPLUS sichtbar.

Diese Stereotypen und die Theorie von Menschenbild und Schulstruktur habe ich mit Zitaten aus der pädagogischen Forschung belegt. Hier finden Sie die entsprechende Präsentation. Und hier ist der detaillierte Aufsatz dazu .

10 Kommentare

  1. […] Das Eine sind die Haltungen und Erwartungen des Lehrers seinen Schülern gegenüber. So spielt die Beziehung zwischen beiden eine große Rolle (Effektstärke 0.72), in der sich Lehrer von den Schülern überraschen lassen, statt sie in Schubladen festzuhalten (Effektstärke von not labelling the students = 0.61) oder die Lehrer schlicht glaubwürdig sind (teacher credibility 0.90). Die Erwartungen der Lehrkräfte an die Leistungsmöglichkeiten der Schüler haben natürlich auch dann Folgen, wenn sie niedrig sind: Schüler, die wir Lehrer für schlecht halten, werden dann auch schlecht. Ich habe an anderer Stelle mal versucht, die Entstehungen und Wirkungsweise solcher Erwartungen in ein größeres System einzubetten. […]

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  2. […] Die Ergebnisse gelten für die Untersuchungsgruppen in der Schweiz; die Übertragbarkeit auf deutsche Schulen kann nicht einfach unterstellt werden. Aber man darf durchaus ein Ausrufezeichen setzen: Tritt hier eine Grundhaltung an die Oberfläche, die Menschen haben, die im gegliederten Schulsystem groß geworden sind? Das wäre ein weiteres Indiz für die Annahme, dass sich Schulsystem und Menschenbild gegenseitig stützen. […]

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