Fail #14: Migrantenkinder werden benachteiligt

Wir haben uns ja schon häufiger mit der Frage befasst: Wie gut – das heißt objektiv, gerecht und verlässlich – sind die Beurteilungen und Noten, die Lehrer ihren Schülern geben? Es hat sich gezeigt, dass an dieser Stelle Vieles im Argen liegt und man sich nicht immer auf die Einschätzungen der Lehrer verlassen kann.

Dieser Eindruck wird durch eine Studie der Universität Mannheim erneut verstärkt. Hier die Pressemeldung:

Migrantenkinder erhalten im Gymnasium schlechtere Mathe-Noten – bei gleicher Leistung

Kinder mit ausländischen Wurzeln werden nach dem Übergang auf das Gymnasium im Fach Mathe in Klassenarbeiten und Zeugnissen schlechter benotet – auch wenn sie in standardisierten Tests die gleichen Leistungen erzielen wie ihre Mitschüler. Das fanden Forscher vom Lehrstuhl Pädagogische Psychologie der Uni Mannheim heraus. 

Pressemitteilung vom 07. Juli 2017 
Druckversion (PDF)

Bildungsforscher von der Universität Mannheim haben untersucht, wie sich der Migrationshintergrund von Schülern auf ihre Noten auswirkt. Dafür haben sie 1.500 Gymnasiasten im Verlauf von zwei Schuljahren regelmäßig auf ihre Mathekenntnisse geprüft: Sie verwendeten standardisierte Tests, die sie insgesamt drei Mal im Verlauf der 5. und 6. Gymnasialklasse unter den Schülern durchgeführt haben. Die Ergebnisse der Tests verglichen sie anschließend mit den Noten in Klassenarbeiten und Zeugnissen. Das Resultat: Im Vergleich zu ihren Mitschülern ohne Migrationshintergrund wurden Migrantenkinder im Fach Mathematik bei gleicher Sprachfertigkeit und sozialer Herkunft schlechter bewertet – und das selbst wenn die Kinder in den standardisierten Tests gleich gut abgeschnitten haben.

„Dass Schüler und Schülerinnen mit Migrationshintergrund im Vergleich zu Kindern ohne Migrationshintergrund deutlich seltener eine Gymnasialempfehlung erhalten, war bekannt“, sagt Meike Bonefeld von der Universität Mannheim, die die Auswertungen geleitet hat. „Dass aber solche Unterschiede auch noch auf dem Gymnasium weiter existieren, haben wir so nicht erwartet. Wir deuten diese als einen Hinweist auf systematische Benachteiligungsprozesse im deutschen Bildungssystem auch nach dem bedeutsamen Übergang in die Sekundarstufe.“

Im weiteren Verlauf ihrer Studien wollen die Forscher herausfinden wie die Urteilsprozesse der Lehrerinnen und Lehrer bei Notenvergabe ablaufen und was die Gründe für die festgestellten Unterschiede sind. Diese Mechanismen zu verstehen und zu durchbrechen sei eine wichtige Herausforderung für zukünftige Forschung, so die Doktorandin.

Das Manuskript „Migrationsbedingte Disparitäten in der Notenvergabe nach dem Übergang auf das Gymnasium“ ist erschienen in der Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie im Juni 2017.


Kontakt: 

Meike Bonefeld
Lehrstuhl Pädagogische Psychologie
Universität Mannheim
Tel. 0621/181-2494
E-Mail: meike.bonefeld@staff.uni-mannheim.de

Katja Bär
Leiterin Kommunikation und Fundraising
Pressesprecherin
Tel. +49 (0) 621 / 181-1013
E-Mail: baer@uni-mannheim.de

 

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