Fail #10: Noten und Laufbahnempfehlungen

Am Ende der Grundschulzeit entscheiden Noten und Lehrer-Empfehlungen über das weitere schulische Schicksal von Kindern. Wie verlässlich sind die Einschätzungen von Grundschullehrerinnen?

Wir haben uns in diesem Beitrag schon einmal mit der (mangelnden) diagnostischen Kompetenz der Nahtstellen-Lehrkräfte beschäftigt. Hier sollen kurz zwei Ergebnisse der letzten TIMSS-Erhebung von 2015 dargestellt werden. TIMSS steht für die groß angelegte Studie Trends in International Mathematics and Science Study, die nach den Leistungen der Schülerinnen und Schüler am Ende der Grundschulzeit fragt. In Deutschland nahmen 3948 Viertklässler teil.

Testleistungen und Lehrernoten

Matheleistungen vs Noten

Wie ist das Diagramm zu lesen? Nehmen wir einen Schüler, der in den TIMSS-Tests 500 Kompetenzpunkte erzielt hat. Er wird von der einen Lehrkraft für diese Leistung die Note 1 erhalten, von einer anderen die Note 2… usw. bis zu Note 4.

Oder umgekehrt: Die einen deutschen Lehrkräfte vergeben die Note 1 in Mathematik für eine Spitzenleistung von über 700 Kompetenzpunkten, den anderen reicht eine Leistung von um die 300 Punkte.

Gibt es einen deutlicheren Nachweis dafür, dass Noten ein hochgradig ungeeignetes Mittel zur Leistungsbewertung allgemein und damit auch zur Entscheidung über den weiteren Schulweg sind?

Testleistungen und Laufbahnempfehlungen

Matheleistungen vs Schulempfehlung

Ähnlich wie die Benotung ist auch die Lehrerempfehlung für Hauptschule, Realschule oder Gymnasium nicht das Papier wert, auf dem sie steht: Einem durchschnittlichen Schüler mit 500 Kompetenzpunkten empfiehlt die eine Grundschullehrerin die Hauptschule, eine andere die Realschule und die dritte das Gymnasium. Oder umgekehrt: In der einen Grundschule reicht eine Mathematikleistung von gerade mal 450 Punkten, um für das Gymnasium vorgesehen zu werden, in der anderen Grundschule sind dafür 650 Punkte nicht genug. Zur Kalibrierung: In Mathematik entsprechen 37 Kompetenzpunkte etwa einem Lernjahr.

Es ist offensichtlich, dass sich die Zweifelhaftigkeiten von Noten mit stark subjektiv gefärbten Einschätzungen von Grundschullehrerinnen verbinden und dass leistungsfremde Aspekte eine viel zu große Rolle spielen.

Warum sollte man also an diesem Übertrittsverfahren festhalten?

 

Quelle: Wendt, H., Bos, W., Selter, C., Köller, O., Schwippert, K. & Kasper, D. (Hrsg.). (2016). TIMSS 2015. Mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen von Grundschulkindern in Deutschland im internationalen Vergleich. Münster: Waxmann.

 

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