Sichtweisen #3: Sozialer Reichtum

Kostet nichts und macht trotzdem reich

So könnte man einen Faktor beschreiben, der Schulen erfolgreich macht, aber zu relativ geringen Kosten zu haben ist.

Die Wissenschaftler nennen diesen Faktor „soziales Kapital“ und meinen damit: Das Netzwerk einer Schule, in welchem sie als Institution mitsamt ihren Lehrkräften, Leitern, Mitarbeitern und Schülern eingebunden ist in ihr Umfeld von Eltern und Einrichtungen, so dass Vertrauen und gemeinsame Werte entstehen.

Das führt dann dazu, dass die Kinder besser lernen. Hm.

Hier sind kritische Nachfragen angebracht

Wer hat diese Behauptung aufgestellt?

Roger Goddard von der Ohio State University, Serena Salloum of Ball State University and Ross Larsen of Brigham Young University

Aha. Also Amerikaner. Da muss man von vorneherein vorsichtig sein. Aber immerhin: Universität(en).

Ist das überhaupt eine anständige wissenschaftliche Untersuchung gewesen?

Die Befragung wurde in 96 High Schools in Ohio durchgeführt. Deren Lehrkräfte wurden gebeten, Aussagen zu bewerten, die das soziale Kapital ihrer Schule beschreiben sollten: Ob die Lehrer häufig Kontakt zu den Eltern hätten, ob sie ihren Schüler trauten und ob die Einbeziehung der Eltern das Lernen der Kinder unterstützen würde. Die Ergebnisse dieser Befragung wurden dann in einen Zusammenhang mit den Testergebnissen der Schüler in Mathematik und Lesen gebracht. 

Was kam dabei heraus?

Ergebnis eins: Schulen mit mehr sozialem Reichtum hatten Schüler, die bei den staatlichen Mathe- und Lesetests besser abschnitten. 

Ergebnis zwei: Das galt sowohl für städtische Schulen in Gegenden mit hoher Armut als auch für Schulen in reichen Vorstadtbezirken.

 

Überraschend

Das ist schon überraschend, denn normalerweise hat man die Vorstellung, dass sich bei Kindern aus vermögenderen Familien die Eltern zum Wohl ihrer Kinder vermehrt in die Schule einbringen und dass das bei ärmeren Familien weniger der Fall ist; dass es also einen Zusammenhang gäbe zwischen materiellem und sozialem Kapital. Das sieht die SStudie auch, betont aber, dass alle Schulen sozialen Reichtum besitzen und ihre Schüler davon profitieren können:

„Social capital is available to all schools, regardless of wealth, and can provide real benefits for student achievement.“

Es gebe zwar diesen Zusammenhang zwischen materiellem und sozialem Kapital, aber entscheidend sei, dass alle Schulen den für die Schüler wesentlichen sozialen Reichtum bilden könnten:

„Wealthy schools do have an advantage in terms of social capital, but it is not overwhelming. All kinds of schools can develop high levels of social capital that will help their students,“ Goddard said.

Und darin bestünde eben die Schulentwicklungsaufgabe: den Schulen zu helfen soziales Kapital zu erwerben oder „anzuhäufen“.

„We still need to find ways to help all schools fully develop the social capital they have available to them,“ he said.

Die entscheidende Figur dabei sei der Schulleiter, bzw. die Schulleiterin.

„School leaders drive a lot of this. They can have open houses, meet with parents, and invite them into their schools. They need to organize and engage people across the community and not only parents. School leaders are the key to setting the tone.“

Wir haben hier also eine neue Antwort auf unserer Frage: „Macht Armut dumm?“

Das muss nicht sein. Wenn das familiäre Umfeld in die schulischen Lern- und Erziehungsbemühungen einbezogen werden, ist das gut für alle Schüler, auch die aus ärmeren Verhältnissen.

https://www.eurekalert.org/pub_releases/2017-04/osu-sfo040317.php

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