Initiativen #3: Das Münchner Manifest

Hannah_Imhoff

(Bildquelle: http://muenchner-manifest.de/category/blog/)

Am 6. April 2017 nagelte die Schülersprecherin Hannah Imhoff das Münchner Manifest (symbolisch) an die Tür des bayerischen Kultusministeriums. Leider wurde diese Aktion überlagert durch die zeitgleiche Verkündigung der Rückkehr des Freistaates zum G9. 

Bei diesem symbolischen Akt waren viele Interessierte und Vertreter von beteiligten Verbänden und Initiativgruppen anwesend. Unter anderem fanden sich ein: Simone Fleischmann (Präsidentin des BLLV), Martin Güll (MdL SPD, Vorsitzender des Bildungsausschusses im Bayerischen Landtag), Thomas Gering (MdL, Bildungssprecher der Grünen), Michael Piazolo und Günther Felbinger (beide MdL, Freie Wähler) und der Schauspieler Max Uthoff (Die Anstalt, ZDF). Als Vertreter des Kultusministeriums stellte sich der Pressesprecher Ludwig Unger den Gesprächen.

Um was geht es im Manifest?

Um „Lernen im 21. Jahrhundert“, so der Untertitel. Das Manifest fast die Ergebnisse mehrerer Workshops zusammen, die am 4. Februar 2017 im Rahmen der Münchner Bildungstage stattfanden. Die Einzelheiten können hier nachgelesen werden. Wenn ich es recht interpretiere, dann sind das die Hauptlinien (mit meinen Worten):

  • Selbstbestimmtes Lernen statt nicht hinterfragte Vorgaben durch Lehrpläne oder Lehrpersonen
  • Demokratische Partizipation statt Steuerung von außen
  • Nachhaltiges und vernetztes Wissen statt Bulimie-Lernen und Stoffhuberei
  • Beziehung statt Leistungsdruck
  • Lehrer nicht nur als Wissensvermittler, sondern als Lernwegbegleiter
  • individuelle Lernwege statt pauschales Vorgehen
  • positive Fehlerkultur statt Notendruck
  • mehr Bewegung und außerschulische Lernräume
  • Orientierung in der Digitalisierung

Kurzkommentar

Die meisten Inhalte dürften unstrittig sein. Von Seiten des Kultusministeriums wird die Reaktion wohl lauten: „Läuft bei uns eh.“ Da wird sich also kaum was bewegen; entsprechend war das Manifest dem KM nicht mal eine Pressemeldung wert.

Dann gibt es ein paar Formulierungen, die geeignet sind, eingeschliffene bedingte Reflexe auszulösen. Hier zwei Beispiele:

Der Lehrer wird zum Lernbegleiter, Lern-Coach und Vernetzer. In dieser Rolle versteht er sich nicht nur als Wissensvermittler, sondern unterstützt die Schüler auch in ihrer persönlichen Entwicklung.

Es gibt genügend Lehrkräfte und Verbandvertreter, denen sich bei den Begriffen „Lernbegleiter“ und „Lerncoach“ die Nackenhaare aufstellen. Sie stellen das dann in Opposition zur „direkten Instruktion“, die doch durch die Hattiestudie als Wesenselement guten Lernens nachgewiesen worden sei. Dazu gäbe es viel zu sagen, was in diesem Blog auch noch geschehen wird. Fürs erste sei auf das großartige Buch von Steffens und Höfer verwiesen:

Steffens, U. & Höfer, D. (2016). Lernen nach Hattie. Wie gelingt guter Unterricht? (1. Auflage). Weinheim: Beltz, J.

Notwendig sind geschützte Räume für Schüler und Lehrer, in denen sie sich wohlfühlen, begegnen und in die sie sich zurückziehen können… Eine positive Fehlerkultur. Freiräume und Vertrauen statt Kontrolle. Kompetenzgespräche statt Noten… Die Abschaffung von Übertrittszeugnissen und Ziffernnoten mindert die Versagensangst. 

An solche Formulierungen lässt sich leicht der Vorwurf der Kuschelpädagogik und Leistungsfeindlichkeit anhängen. Das eröffnet ein weites Feld für Diskussionen, die nach und nach in diesem Blog aufgedröselt werden sollen.

Nachtrag

Wie bestellt zu meinem Kommentar findet sich diese Äußerung auf dem Deutschen Lehrertag am 23.3.17 in Leipzig:

Hauptreferent auf der Frühjahrstagung des diesjährigen Deutschen Lehrertages war Dr. Christoph Türcke, Autor des Buches „Lehrerdämmerung“. In seinem Vortrag rechnete er mit den Tendenzen zu einer Laissez-faire-Lernkultur in einigen Bundesländern ab, bei der Lehrkräfte zu Lernbegleitern degradiert würden. Anhand anschaulicher Beispiele stellte er den Bildungserfolg derartiger Bestrebungen in Zweifel.

Christoph Türcke ist Professor emeritus für Philosophie.
Quelle: http://www.slv-online.de/

Wer steht eigentlich hinter dem Münchner Manifest?

Das sind die auf der Website aufgeführten Initiativen, die sich an der Erstellung des Münchner Manifests beteiligten:

  1. Akademie Kinder philosophieren
  2. Akademie Kinder philosophieren in der gfi gGmbH
  3. Aktion gute Schule e.V.
  4. AUGENHÖHEcommunity
  5. Bayerischer Lehrerinnen- und Lehrerverband BLLV
  6. Bildungstage München
  7. Demokratische Schule München
  8. eigenaktive Schule Augsburg
  9. Eine Schule für Alle in Bayern e.V.
  10. FamilyLab
  11. Förderverein MoMo Fuchstal e.V.
  12. Forum Bildungspolitik in Bayern
  13. IFZE – Institut für Zusammenarbeit im Erziehungs- und Bildungsbereich
  14. Initiativgruppe für interkulturelle Begegnung und Bildung
  15. KITZ – das Familienmagazin
  16. LEB – Landeselternbeirat
  17. Malort München, ein gemeinnütziger Verein
  18. Menschen brauchen Tiere e.V.
  19. Montessori Landesverband Bayern
  20. nlpaed – Verband für neuro-linguistische Verfahren in Bildung und Erziehung e.V.
  21. Samanthanet – Lernen und Lehren mit digitalen Medien
  22. StadtSchülerInnenVertretung München
  23. Starfamily – die Familienagentur
  24. Sudbury Schule Ammersee
  25. Waldorf Bayern

Fazit

Ein breit aufgestellter und wohlgemeinter Impuls. Ob er Folgen haben wird, muss sich zeigen.

Quelle: http://muenchner-manifest.de/category/blog/
Auch das Beitragsbild wurde dieser Website entnommen.

Ein Kommentar

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