Initiative #1: Denkendorf/Kipfenberg

Die Anfänge

Sie waren die ersten in Bayern: Die beiden Gemeinden Denkendorf und Kipfenberg machten sich mit Unterstützung des Fördervereins „Bildung am Limes“ im Jahr 2010 auf den Weg in Richtung Gemeinschaftsschule. Sie holten Ernst Rößner vom Institut für Schulentwicklungsforschung in Dortmund zur Erstellung eines Standortgutachtens und erarbeiteten mit Experten aus mehreren Bundesländern das erste pädagogisches Konzept.

Nachdem die Elternbefragung eine große Zustimmung von 80 Prozent (Denkendorf), bzw. 54 Prozent (Kipfenberg) ergeben hatte, stellten die Gemeinden im August 2013 im Kultusministerium einen Antrag  auf Genehmigung eines Modellprojekts Gemeinschaftsschule. Nach über acht Monaten Wartezeit und Androhung einer Untätigkeitsklage kam im April 2014 die erwartete Absage.

Fragwürdige Ablehnungsgründe

Die Ablehnung wurde unter anderem mit der Behauptung begründet, die Mittelschule hätte sich in Bayern stabilisiert, dabei hatte sich bis dahin lediglich die Sterberate reduziert. Und den beiden Gemeinden half diese Antwort überhaupt nicht, denn bei ihnen entwickelten sich die Schülerzahlen noch schlechter als im Standortgutachten vorhergesagt (siehe Diagramm).

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Um die Fragwürdigkeit der Ablehnungsgründe zu illustrieren, hier noch ein weiteres Beispiel: Es sei die notwendige Mehrzügigkeit der Gemeinschaftsschule nicht gegeben. Dabei konnte man sowohl im Standortgutachten als auch im pädagogischen Konzept in ausreichender Deutlichkeit nachlesen, dass die neue Schule mit einer Jahrgangsstärke von 79 Schülerinnen und Schülern starten könnte. Das ist mehr als in den anderen Bundesländern vorausgesetzt wird, wo man allgemein von einer gesicherten Zweizügigkeit ausgeht, deren Untergrenze bei etwa 40 Schülern pro Jahrgang liegt.

Widerspruch

Nachdem die Gemeinde Widerspruch gegen den schlecht begründeten Ablehnungsbescheid eingelegt hatte, kam es im Februar 2015 zu einem Gespräch im Kultusministerium, das von den Ministerialbeamten Dr. Graf und Hr. Krück vertreten wurde. Für die Gemeinden verhandelten Fr. Bgm. Forster, Hr. Bgm. Wagner, für den Verein „Bildung am Limes“ war Hr. Feuerlein dabei. Außerdem waren noch die Wahkreisabgeordnete Fr. Schorer-Dremel (CSU) und der Schulentwickler Hr. Grüttner anwesend.

Bei diesem Gespräch wurden die Antragsteller auf Alternativen verwiesen, z.B. einen M-Zweig bereits ab Jgst. 5 für Denkendorf oder die Möglichkeit, insgesamt „mehr montessorisch“ zu arbeiten.

Ins Leere gelaufen

Die Vertreter der Gemeinden und der Initiative ließen sich auf diese Vorschläge ein. Sie mussten allerdings erkennen, dass man diese Rechnung ohne den Wirt, also den Schulverbundskoordinator, gemacht hatten. Dieser rechnete ihnen vor, dass es keinen weiteren M-Standort im Schulverbund geben könne, weil man sich sonst nur gegenseitig die Schüler wegnehmen würde. Von einem M-Zweig ab Jgst. 5 könne ohnehin keine Rede sein.

Der Vorschlag, mehr montessorisch zu arbeiten hätte erstens mit viel pädagogischer Überzeugungsarbeit an das Kollegium der beiden Mittelschulen gerichtet werden müssen und war zweitens ohnehin nur als  Ablenkung zu verstehen, weil er dem Missverständnis folgte, die Methodik an der Gemeinschaftsschule sei ja doch irgendwie mit der von Maria Montessori gleichzusetzen.

Ein Hoffnungsschimmer

Im September 2016 fand ein Treffen von „Bildung am Limes“ (vertreten durch Alfons Weber und Robert Feuerlein) mit Vertretern der Katholischen Universität Eichstätt zur Frage einer „Laborschule Gemeinschaftsschule“ statt. Immerhin die Präsidentin Frau Prof. Dr. Gien selbst nahm sich Zeit für eine ausführliche Erörterung der Kooperationsmöglichkeiten.

Man einigte sich darauf, die Zusammenarbeit mit den Schulen in Denkendorf und Kipfenberg auf methodischer Ebene zu prüfen (Marchtaler Plan, Inklusion) und in diesem Sinne mit den Schulleitungen und dann mit den Kollegien in Kontakt zu treten.

Allein, es wurde nichts daraus. Die Gründe sind den Betroffenen unbekannt.

Kommentar

Es ist offensichtlich: Ein berechtigtes Anliegen, nämlich einen Schulversuch Gemeinschaftsschule durchzuführen um einerseits die Standorte zu erhalten und andererseits die pädagogische Schwachstelle des Übertritts nach der 4. Jgst. durch längeres gemeinsames Lernen zu beseitigen, wurde vom Kultusministerium mit unzureichender Begründung abgelehnt.

Als das allein nicht half, wurden die Gemeinden und der Förderverein mit blumigen Versprechungen vertröstet, die sich inzwischen als heiße Luft herausgestellt haben.

Ist das das Ende der Geschichte?

4 Kommentare

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